Die Zahl der Aidsinfektionen bei homosexuellen Männern ist 2004 in Deutschland erneut gestiegen. Die Übertragung des Erregers von einem Mann zu einem anderen lag um sechs Prozent höher als im Jahr zuvor. Das geht aus dem Halbjahresbericht des Robert Koch-Instituts hervor, der am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde. Insgesamt ist die Zahl der neu diagnostizierten Aids- Infektionen mit knapp 2.000 Fällen etwa gleich geblieben. Auch bei Syphilis war der Anstieg in der Gruppe der homosexuellen Männer besonders deutlich, schreibt das RKI.

Bestimmte Gruppen der Bevölkerung schützten sich beim Sex weniger als zuvor, warnte die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung BZgA nach der Auswertung einer neuen Repräsentativerhebung. So verhüteten im Jahr 2000 noch 78 Prozent der Singles unter 45 bei einer neuen Beziehung mit Kondom, 2004 waren es nur noch 70 Prozent. "Diese Entwicklungen zeigen, dass differenzierte Datenanalysen sowie zielgruppengenaue Aufklärungskonzepte notwendig sind", betonten RKI- Präsident Reinhard Kurth und BZgA-Direktorin Elisabeth Pott.

Männer, die Sex mit Männern haben, stellten mit 47 Prozent die größte Gruppe der 1928 bislang gemeldeten HIV-Neuinfektionen 2004. Auffällig deutlich war der Anstieg bei den 30- bis 49-Jährigen. "Das ist beunruhigend, weil es sich dabei um Menschen handelt, die vor allem in den 80er-Jahren das durch HIV/Aids verursachte Leid in ihrem Umfeld selbst erfahren haben", sagte Kurth. Auch der wachsende Therapieoptimismus verleite viele dazu, HIV nicht mehr als gefährlich einzuschätzen, warnte Pott.

Am deutlichsten stiegen die Zahlen der Erstdiagnosen bei homosexuellen Männern in Berlin, aber auch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein gab es Zuwächse. In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen gingen die gemeldeten Erstdiagnosen zwar zurück, dort waren sie im Vorjahr jedoch überproportional gestiegen.

Die Zahl der gemeldeten Syphilis-Fälle kletterte von 2.934 (2003) auf 3.345. In der Gruppe der gleichgeschlechtlich aktiven Männer sei Syphilis eine besondere Gefahr, weil die Krankheit ein Schrittmacher für Aids sei, warnte das RKI.

Bei heterosexuellen Kontakten steige zudem die Gefahr durch die hohen HIV-Infektionsraten in Osteuropa und die zunehmende Prostitution. Die zweitgrößte Gruppe der Neuinfektionen (16 Prozent) bildeten Menschen, die aus einem Land mit hoher HIV-Rate stammen. Nur ein Fünftel der in Deutschland Erstinfizierten 2004 waren Frauen.