ostasien Streit ist offen ausgebrochen
Die Auseinandersetzung zwischen China und Japan um die Besuche des Yasukuni-Schrein haben an Heftigkeit zugenommen. Peking besteht auf dem Ende der Besuche
Der Streit zwischen China und Japan über die Besuche von Regierungschef Junichiro Koizumi im umstrittenen Yasukuni-Schrein ist am Dienstag offen ausgebrochen. In Tokio verteidigte Koizumi seine Besuche in dem Shinto-Heiligtum für Japans Kriegstote, in dem auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. In Peking sagte der Sprecher des Außenministeriums, Qin Gang, China bestehe auf einem Ende der Besuche. Dies sei der entscheidende Punkt in den Beziehungen. Nach den antijapanischen Protesten in China rief UN-Generalsekretär Kofi Annan beide Seiten zur Beilegung ihrer Spannungen auf.
Der chinesische Außenamtssprecher kritisierte, die verurteilten Kriegsverbrecher des Yasukuni-Schreins seien direkt für die Aggression in China verantwortlich gewesen. Japan solle die Menschen in China und anderen Ländern respektieren, die damals der japanischen Invasion zum Opfer gefallen seien. Diese Darstellung aber, wonach seine Pilgergänge die Gefühle des chinesischen Volks verletzten, wies Koizumi zurück. »Ich denke, dass ist nicht der Fall.« Auch glaube er nicht, dass seine Schrein-Besuche Japans diplomatischen Interessen geschadet hätten, sagte Koizumi nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo.
Seine Yasukuni-Besuche dienten dem Zweck, der Kriegstoten zu gedenken und Krieg abzuschwören, sagte Koizumi. Jedes Land habe seine eigene Geschichte, Tradition und unterschiedliche Ansichten. Er war seit seinem Amtsantritt bisher jedes Jahr zum Yasukuni gegangen, in diesem Jahr aber noch nicht. Zu Diskussionen über neue Besuche sagte in Peking Außenamtssprecher Qin Gang, China wolle »Taten sehen«. Um an die Kriegsverbrechen Japans zu erinnern, will China für den Ort in Nordostchina, wo die berüchtigte japanische Einheit 731 biologische und chemische Experimente an Menschen ausprobiert hatte, bei der UN-Kulturorganisation UNESCO den Status eines Welterbes beantragen. Laut Nachrichtenagentur Xinhua hat Japan nach Schätzungen 200 000 Menschen mit biologischen Waffen dieser Einheit getötet.
Nach dem erfolglos verlaufenen Außenministertreffen Anfang der Woche in Peking ließ China ein mögliches Treffen von Staats- und Parteichef Hu Jintao mit Regierungschef Koizumi am Rande des Gipfels zum 50-jährigen Bestehen der Blockfreien Bewegung am Freitag und Samstag in Indonesien weiter offen. UN-Generalsekretär Kofi Annan rief beide Führer aber zu einem Treffen in Indonesien und einer »friedlichen Beilegung« ihrer Spannungen auf. Ihre wichtigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen sollten beide ermutigen, »ihre Differenzen zu überwinden«.
Annan ist nach Angaben von UN-Diplomaten sehr besorgt, dass die Spannungen zwischen Japan und China die von ihm vorgeschlagene Reform der Weltorganisation beeinträchtigen könne. Kernstück ist die Reform und Erweiterung des UN-Sicherheitsrates. Neben Deutschland, Indien und Brasilien ist Japan Kandidat für einen ständigen Sitz. China hat Japan in dem Streit aber offen die moralische Qualifikation für eine ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat abgesprochen. Eine Blockierung der Aufnahme Japans in das Gremium, die unter anderem von den USA ausdrücklich unterstützt wird, könnte nach Ansicht von Experten die gesamte Reform in Frage stellen.
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- Quelle dpa, 19.04.2004
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