Aldi Alles muss rausSeite 2/2
Aktionsware ist längst kein Selbstläufer mehr, zumal sie nichts Besonderes mehr ist. Neben Aldi buhlen die Discountkonkurrenten Lidl und Penny ein- oder sogar zweimal die Woche um die Aufmerksamkeit ihrer Kunden. Nicht zu vergessen Tchibo, der mit seinen Gebrauchsartikeln für Küche, Garten oder Sport »Jede Woche eine neue Welt« verspricht. Diese Artikel bringen der Kaffeeröster-Kette aus Hamburg inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten Umsatzes – und Tchibo kennt die Probleme mit den Restbeständen. Mit seinen bundesweit 20 Tchibo-Prozente-Geschäften gilt das Unternehmen als eigentlicher Erfinder des Reste-Rampen-Prinzips, das von Aldi mit 1001 jetzt nachgeahmt wird. Andere Handelsunternehmen wollen offenbar erst einmal abwarten, wie sich Konkurrent Aldi schlägt, und halten sich vorerst bedeckt.
Fest steht aber: Der Bedarf an billigen Gießkannen, Kochtöpfen und Walking-Stöcken stößt an seine Grenzen. Bei der Saisonware kommt es vor allem darauf an, sie als Erster im Laden zu haben. Denn wer bei Lidl bereits seine Gartenstühle gekauft hat, den interessiert das ähnliche Aldi-Angebot zwei Wochen später nicht mehr. Experten schätzen den Anteil der nicht verkauften Ware mittlerweile auf knapp 30 Prozent. Weil aber Aktionsware bis zu einem Jahr im Voraus beim Lieferanten bestellt werden muss, um entsprechende Einkaufsrabatte zu erzielen, gehen die Handelsketten ein großes Risiko ein.
1001 Gelegenheiten soll laut Aldi endlich ein »professionelles Ventil« für die Restposten bieten. 120 Filialen im Umland beliefern den neuen Test-Markt im Wochentakt mit Ware. Das Angebot bleibt freilich eine Überraschung: Ob Sportschuhe oder Gartenhäcksler, DVD-Spieler oder Unterhosen reinkommen, lässt sich nicht vorhersagen und deshalb auch nicht konkret bewerben.
Konkurrenz für die traditionellen Aldi-Märkte fürchtet man deshalb kaum. In Mannheim-Waldhof findet sich nur ein paar Häuserblocks weiter eine klassische Aldi-Filiale. Wer gezielt einen Artikel sucht, muss diesen nach wie vor dort kaufen, wo die Aktionsware zuerst hinkommt. Bei 1001 Gelegenheiten gibt es nur eine einzige Garantie: Was man dort findet, ist noch billiger.
Läuft der Testmarkt, wird Aldi weitere 1001-Filialen aufmachen
Wird 1001 Gelegenheiten ein Erfolg, soll Aldis Restposten-Klon zu einer eigenständigen Marke im Aldi-Imperium ausgebaut werden. Die Firmenfarben Orange, Blau und Weiß sind auch im Logo des Billigablegers zu erkennen, nur etwas dezenter. »Es ist Aldi und doch nicht Aldi«, kommentiert eine Kundin das Konzept. An den Discounter erinnern der braune Fliesenboden und die schnell arbeitenden Kassiererinnen. Ungewohnt sind für Aldi-Stammkunden dagegen die Hintergrundmusik mit ständigen Durchsagen und natürlich die Auswahl der Waren. Konsequent durchgestylt ist der Auftritt von 1001 allemal – von den strahlend weißen Pullis des Personals bis zum Logo auf dem Griff der Einkaufswagen. Die Botschaft: Wenn das Experiment in Mannheim ankommt, wird man bald schon weitere 1001-Märkte eröffnen. Wie man erfolgreich und effizient eine Filialkette aufbaut, darin haben die Brüder Albrecht schließlich ausreichend Übung.
- Datum 21.04.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 21.04.2005 Nr.17
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