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DIE ZEIT: Seit vergangener Woche gilt faktisch ein Importverbot für Futtermais aus den Vereinigten Staaten. Vier Jahre lang hatte das Unternehmen Syngenta gentechnisch veränderten Mais illegal nach Europa geliefert. Wie konnte das passieren?

Thilo Bode: Die Haftungsrisiken im Futtermittelgeschäft sind sehr gering. Syngenta wird hierzulande nicht einmal eine Strafe zahlen müssen. Es fehlen also die ökonomischen Anreize, um so etwas von vornherein zu vermeiden.

ZEIT: Syngenta sagt, man habe Mitte der neunziger Jahren zwei Sorten Mais vertauscht, was niemandem aufgefallen sei. Aber auch in Europa blieb der illegale Mais offenbar lange Zeit unentdeckt.

Bode: Die Kontrollen von importierten Futtermitteln sind viel zu lasch. Während bei Tee jede Ladung vorbeugend auf Verunreinigung getestet wird, werden von neun Millionen Tonnen Importfutter weniger als 600 Proben genommen, noch dazu oft an den falschen Stellen. Wenn bei uns ein Gift im Hähnchenschnitzel entdeckt wird, dann meistens erst, wenn dieses schon verzehrt ist.

ZEIT: Jetzt ist es Gen-Mais, davor waren es die Rinderseuche BSE und das mit Nitrofen verseuchte Getreide. Alle Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre haben ihre Ursache im Tierfutter. Zufall?

Bode: Nein, das ist kein Zufall. Futtermittel sind der größte Kostenfaktor bei der Fleischproduktion, bei Geflügel liegt ihr Anteil bei 50 Prozent, bei Schweinen sind es bis zu zwei Dritteln. Das Futter ist also teurer als die Stallungen und das Tier. Ein harter Wettbewerb unter den Herstellern in Verbindung mit lächerlich geringen Strafen – das maximale Bußgeld bei Gesetzesverstößen beträgt 25000 Euro – lädt zu Missbrauch geradezu ein.

ZEIT: Aber hat nicht Landwirtschaftsministerin Renate Künast versprochen, in deutsche Kühe kämen nur Wasser, Getreide und Gras?