Medizin Erst waschenSeite 4/4
Der wichtigste Übertragungsweg, darin sind sich Kappstein und andere Experten einig, sind die Hände des medizinischen Personals. Mangelnde Ausbildung, Überlastung und fehlende Motivation durch die Vorgesetzten führen dazu, dass Ärzte, Schwestern oder Pfleger infektiöse Keime von einem Patienten zum anderen schleppen, mit unsauberen Instrumenten hantieren oder trotz Einmalhandschuhen auf Kitteln, Pflegeartikeln und Geräten Krankheitserreger hinterlassen. Dort bleiben sie über Monate hinweg lebens- und infektionsfähig.
Die beste Gegenmaßnahme ist konsequente Desinfektion. Wie die in der Praxis aussehen muss, scheinen aber selbst viele Profis nicht so recht zu wissen. Eine amerikanische Studie legte im Jahr 2000 die hygienische Schlamperei in USKliniken bloß: In 83 Prozent der Fälle wuschen sich die Ärzte und Pfleger nach dem Kontakt mit abgeschirmten Patienten die Hände aber niemals, bevor sie den Isolierraum betraten. »Das Krankenhauspersonal empfand das Waschen offenbar eher als persönlichen Schutz denn als Vorsichtsmaßnahme für den Patienten«, stellten die Autoren damals trocken fest.
Mangelnde Händehygiene ist besonders bei männlichen Ärzten verbreitet. Klaus-Dieter Zastrow erlebte die hygienische Ignoranz selbst ganz oben in der Hierarchie. Als er eine Klinik aufgefordert hatte, endlich einen Oberarzt zur Ausbildung als Hygienebeauftragten abzustellen, war er gescheitert. »Da hat der Chefarzt mir tatsächlich gesagt: ›Für Hygiene haben wir keine Zeit.‹«
- Datum 21.04.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 21.04.2005 Nr.17
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