ZEIT-Serie Die Zukunft des Kapitalismus
Es herrscht Unruhe im Land. Deutsche Politiker üben wieder Kapitalismuskritik, Soziologen sprechen von der Wiederkehr der Klassengesellschaft (siehe Wirtschaft Zurück zum Klassenkampf ). Andere fürchten eine schleichende Krise von Demokratie und Kultur.
Deutschland erlebt derzeit die einschneidendste Sozialreform der Nachkriegszeit. Abstiegsängste reichen bis weit in die Mittelschicht. Doch obwohl manche Reformen sinnvoll erscheinen, lässt ihr Erfolg auf sich warten. Die Gewinne internationaler Konzerne steigen, aber der versprochene Zuwachs an Arbeitsplätzen bleibt aus. Nationale Regierungen machen derzeit vor allem eine Erfahrung: die Erfahrung ihrer Ohnmacht.
Doch was folgt daraus für die Gesellschaft? Ist der Kapitalismus, der als strahlender Sieger aus dem Kampf gegen den Kommunismus hervorging, nun unser Schicksal? Entzieht er sich für alle Zeit jeglichen Regeln und spielt mit den Nationalstaaten Katz und Maus? Ist die Ökonomie eine »fünfte Gewalt«, die die Nationalstaaten in einen ruinösen Steuersenkungswettbewerb treibt – so lange, bis am Ende kein Geld mehr für staatliche Einrichtungen übrig bleibt? Vor zehn Jahren forderte die ZEIT- Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff: »Zivilisiert den Kapitalismus!« Sie warnte vor Raffgier und der totalen Ökonomisierung unserer Gesellschaft.
Das Feuilleton der ZEIT hat nun international bekannte Schriftsteller, Soziologen und Philosophen gebeten, ihre Sicht der Dinge zu formulieren. Stimmt die Krisenbeschreibung überhaupt? Oder handelt es sich um eine typisch europäische Wahrnehmung?
Und wenn nicht: Wie ist es um die Zukunft des Kapitalismus bestellt? Was erwartet den Bürger in einem hoch effizienten Wirtschaftssystem, das durch rasche Rationalisierung scheinbar immer mehr Arbeit überflüssig macht? Und weiter: Was bedeutet die Macht des Geldes kulturell? Bedroht es uns mit der Ökonomisierung unserer Bild- und Vorstellungswelten – gefährdet der Kapitalismus also seine kulturellen Voraussetzungen? Oder ist er für andere Teile der Welt immer noch ein leuchtendes Versprechen auf Freiheit, Wachstum und Wohlstand?
Unsere Serie über »Die Zukunft des Kapitalismus« beginnen wir mit einem Beitrag des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse. In den nächsten Wochen folgen Überlegungen des kanadischen Philosophen Charles Taylor, des indischen Schriftstellers Amitav Ghosh und anderer.
- Datum 21.04.2005 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 21.04.2005 Nr.17
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







