Kinder, die früh in der Krippe untergebracht waren, haben vermutlich ein kleineres Risiko, an Leukämie zu erkranken. Dieses Ergebnis erbrachte eine Langzeitstudie über einen Zeitraum von 15 Jahren mit 11.000 Kindern – 1.700 davon litten an Leukämie. Die Onkologin Eve Roman vom UK Leukaemia Research Fund der University of York erklärt: "Sozialer Kontakt mit anderen Kindern außerhalb des Hauses kann einen schützenden Effekt für das spätere Leben haben."

Werden kleine Kinder nicht im frühen Alter normalen Infektionen ausgesetzt, kann das Immunsystem in der späteren Kindheit übertrieben reagieren, zum Beispiel beim Beginn der Schulzeit. Wahrscheinlich wird dabei das Knochenmark extrem gestresst: Es werden zu viele weiße Blutkörperchen gebildet, die als Immunzellen wirken, was dann zu Leukämie führen kann.

Besonders gut geschützt sollen Kinder sein, die bereits in den ersten drei Monaten ihres Lebens ihren Tag in der Krippe verbrachten. So waren Kinder in der DDR wesentlich seltener von Leukämie betroffen als Kinder in Westdeutschland, da sie häufig schon früh in die Krippe gegeben wurden.

Mel Greaves vom Institute of Cancer Research und Co-Autor der neuesten Studie über Krippen erklärt das Entstehen von Leukämie als eine Art "Doppelschlag". Der erste "Treffer" ist genetisch: Ein Chromosom zerbricht und tauscht ein wenig seiner DNA mit anderen Chromosomen aus. Doch nur eines von hundert Babys mit diesem Gendefekt entwickelt Leukämie. Deshalb muss es noch einen zweiten auslösenden Effekt geben. Das wäre dann der oben beschriebene Mangel an Infektionen in der frühen Kindheit.