Ökonom Wer die Steuern wirklich zahlt

Wer zahlt Steuern, wer trägt die Steuerlast?

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück ärgerte sich über Wirtschaftslobbyisten. Sie hätten nichts Besseres zu tun, als nach der nächsten Senkung der Unternehmensteuern »sofort weitere Nachforderungen zu stellen«, kritisierte der Sozialdemokrat. Nach der geplanten Verminderung des Körperschaftsteuersatzes von 25 auf 19 Prozent sei für ihn »definitiv« Schluss mit weiteren Steuerermäßigungen.

Hinter den Äußerungen Steinbrücks steht die Frage einer gerechten Verteilung der Steuern zwischen Bürgern und Firmen. Doch wer trägt die Steuerlast wirklich? Wissenschaftler unterscheiden zwischen denjenigen, die die Steuer zahlen, und denjenigen, die ökonomisch die Steuerlast tragen.

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Bei Verbrauchsteuern ist es eindeutig. So wird die Mehrwertsteuer zwar von den Produzenten und vom Handel an den Fiskus abgeführt, letztlich bleibt in aller Regel die Last beim Käufer und Endverbraucher hängen. Nicht anders ist es beispielsweise mit der Mineralöl- oder auch der Tabaksteuer. Auch dort müssen die Produzenten die Steuer an das Finanzamt überweisen, am Ende werden aber Autofahrer oder Raucher belastet.

Bei den Gewinnsteuern der Unternehmen – der Körperschaftsteuer für Kapitalgesellschaften und der Einkommensteuer für Personenunternehmen – ist das nicht viel anders. »Zu glauben, anonyme Gebilde wie Unternehmen würden die Steuerlast tragen«, so schrieben Volkswirte der Deutschen Bank in einer Analyse, sei »ein Irrtum, wenngleich ein populärer«. Auch bei den Unternehmen findet regelmäßig eine Überwälzung statt. Letztlich werden Personen belastet, nicht die Betriebe.

Bei Aktiengesellschaften mindert die Körperschaftsteuer den Gewinn – zunächst zulasten der Aktionäre. Wird der Gewinn ausgeschüttet, fällt folglich die Dividende geringer aus; wird der Gewinn im Unternehmen behalten, drückt die Steuerlast auf den Aktienkurs. Es ist nahezu selbstverständlich, dass das Management versuchen wird, nicht ausgerechnet die Aktionäre zu verprellen. Wenn der Markt es hergibt, werden sich die Manager bemühen, die fiskalische Belastung (wie andere Kosten auch) auf die Kunden abzuwälzen, indem sie die Preise erhöhen. Dann würden die Konsumenten die Körperschaftsteuer tragen.

Eine andere Möglichkeit ist es, den Zulieferern günstigere Preise abzuhandeln. Außerdem kann die AG versuchen, die gezahlte Steuer etwa bei der nächsten Tarifrunde über die Löhne und Gehälter auf die Belegschaft abzuwälzen. Dann wären die Mitarbeiter die eigentlichen Opfer.

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