In guten alten sowjetischen Zeiten, da konnte man in Kairo und Damaskus die Internationale noch auf Russisch singen. Da studierten Araber an der Lumumba-Universität in Moskau. Und lernten Piroggen und Pelzmäntel lieben. Das alles ist lang her. Kein noch so verquerer Kopf im Nahen Osten ist heute nach Moskau ausgerichtet. Ein Fall für Präsident Putin, der Russlands globale Wirkungsmacht erhöhen will.

Putin reiste am Dienstag nach Kairo, dann ging es weiter nach Israel und Palästina. Dort erläutert er die russische Politik, die durchaus erklärungsbedürftig ist. Die Araber reiben sich am Antiterrorbündnis Putins mit Israel. Herausgekommen ist bisher nur die Erschießung eines tschetschenischen Politikers durch russische Agenten in Qatar – in den Augen vieler Araber Staatsterrorismus. Für Israel ist wiederum Russlands Handelspolitik schwer erträglich. Moskau hilft Iran beim Bau von Kernkraftwerken, deren Brennelemente auch für das Basteln der iranischen Bombe dienen könnten. Israels zweiter Lieblingsfeind sind die Syrer, die mit Premiumkundenkarte in Russlands Rüstungsschmieden einkaufen. Zum Beispiel die hochmoderne Luftabwehrrakete Streljetz, die israelische Flugzeuge abschießen kann. Auf die Empörung in Jerusalem entgegnete Putin vor Reiseantritt kühl: "Diese Waffe wird es natürlich erschweren, in geringer Höhe über die Residenz des syrischen Präsidenten zu fliegen."

Mit dem Mix aus Grobheiten und Gefälligkeiten (inklusive putinesken Auslandslächelns) buhlt der russische Präsident um Freunde. Ohne wirkliche Aussicht auf Erfolg. Denn in Nahmittelost können sich viele noch gut daran erinnern, dass auch die Freundschaft mit der mächtigeren Sowjetunion im Ernstfall nicht viel nützte.