Angst vor Investoren Was ist an Deutschland so verlockend?Seite 4/4
Seit 2003, sagt Sylvain Broyer, Deutschland-Volkswirt der französischen Investmentbank Ixis, »schlägt sich das Wirtschaftswachstum nur noch auf der Kapitalseite nieder«. Dabei sind die Finanzinvestoren bloß die Agenten dieses Wandels. Deutschland wird angelsächsisch. Das bedeutet: mehr Dynamik, aber auch mehr Ungleichheit, weniger Stabilität und dafür mehr Innovationen – siehe Vereinigte Staaten. Doch auf diesen Wandel ist Deutschland genauso wenig vorbereitet wie offenbar Franz Müntefering.
Ein Zurück zum rheinischen Kapitalismus gibt es nicht, allen Verbalattacken zum Trotz. Gerade die exportorientierte deutsche Wirtschaft kann sich nicht abschotten, und ohne ausländisches Beteiligungskapital stehen viele Mittelständler vor dem Aus. Und wer soll angesichts der Zurückhaltung der heimischen Geldhäuser sonst noch Gründer finanzieren? »Die haben oft gute Ideen und ein gutes Team, aber keine Sicherheiten«, sagt Norbert Irsch, Chefvolkswirt der staatlichen KfW-Bankengruppe. »Das überzeugt heute kaum ein Kreditinstitut.«
Der alte Konsens weicht neuen Konflikten. Experten halten es da nur für konsequent, dass in den Unternehmen auch die Verantwortung klarer verteilt wird. Binnen drei Jahren könnte die Mitbestimmung im Aufsichtsrat kippen, das Kontrollgremium dann nur noch aus Vertretern der Anteilseigner bestehen, schätzt Michael Kramarsch von der Personalberatung Towers Perrin. Die Gewerkschaften wären dann unabhängiger und könnten wirksamer protestieren.
Bislang neigen deutsche Arbeiter noch immer so wenig zu Streiks wie einst im rheinischen Modell. Auch das, sagt ein Banker, finden Investoren an diesem Land so toll.
- Datum 28.04.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 28.04.2005 Nr.18
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