DIE ZEIT: Essen Sie gern Spargel, Herr Müntefering?

Franz Müntefering: Ja.

ZEIT: Würden Sie mehr dafür bezahlen, wenn als Konsequenz mehr Deutsche statt polnischer Niedriglöhner den Spargel ernten würden?

Müntefering: Ja, aber ich bin da der falsche Ansprechpartner. Andere Leute haben weniger Geld. Ich glaube, wir können es uns nicht leisten, Spargelstecher und andere Arbeitnehmer aus der halben Welt zu holen, damit die Arbeit hier getan wird. Das geht nicht: fünf Millionen Arbeitslose und Arbeit, die nicht getan wird.

ZEIT: Also müssen wir für weniger Geld arbeiten – oder mehr für den Spargel zahlen.

Müntefering: Im Niedriglohnbereich ist sicher etwas nicht in Ordnung. Die Löhne müssen so hoch sein, dass man davon leben kann. Statusfragen spielen auch eine Rolle. Wir müssen ein unbefangeneres Verhältnis zur einfachen Arbeit finden. Jede menschenwürdige Arbeit ist ehrenwert, wenn sie ehrlich und gut getan wird.

ZEIT: Sie haben Unternehmern, die Jobs ins Ausland verlagern, unmoralisches Verhalten vorgeworfen. Warum ist es unanständig, eine Firma aus dem reichen Südbayern ins arme Nordchina zu verlegen?