Ökologie Die Arche vor dem UntergangSeite 4/4

Müssten die Deutschen nicht radikal ausmisten? Ließen sich nicht die großen Sammlungen mit den besten Stücken der Kleinen optimieren? Reformbremse Nummer eins ist der Föderalismus. Der sorgt dafür, dass keiner etwas hergeben will und nichts zusammenpasst. »Es gibt nicht mal einheitliche Kataloge«, schimpft Reichholf über das »kleinstaatliche Hickhack wie in vorkaiserlicher Zeit«. Auch Axel Meyer, Evolutionsbiologe in Konstanz, wünscht sich zentrale Sammlungen mit besserer Infrastruktur. Er rechnet nicht damit, dass sich der deutsche Kleingeist bald bezwingen lässt: »Dann kommt wieder ein Herr Koch aus Hessen und will keine Elitesammlungen.«

Auch die deutschen Gesetze erschweren einen Aufbruch wie in den USA oder London: Stiftungs- und Erbschaftsrecht verhindern so manchen Mäzen. Hochschulen und Museen haben sich zu lange auf öffentliche Mittel verlassen. Das Museum of Natural History in New York kennt keine pekuniären Sorgen. »Die kriegen das Geld von kleinen blauhaarigen Witwen«, sagt Meyer.

In der Hamburger Reptiliensammlung stehen Kartons voller Echsen in Rollmops-Gläsern, die Etiketten kleben noch. »Eine private Schenkung«, sagt Alexander Haas. Die Hamburger Universitätsleitung schielt derweil auf das Exzellenzgeld des Bundesforschungsministeriums und entdeckt jetzt ganz plötzlich den Wert der Artenvielfalt. Ausgerechnet mit der Erdsystemforschung wollen die Hanseaten im nationalen Wettbewerb punkten. Dazu müssen sie ihren Sammlungen ein neues Haus bauen.

 
Service