Sammlung Wohin mit den Schätzen?
Nach Tempelhof
Braucht es die Heimatstube Cumlosen und in Nabburg ein Museum der heimischen Tierwelt im Feuerwehrhaus? Sie mögen die lokale Bevölkerung erfreuen – der Wissenschaft aber helfen sie kaum. Für eine Neuausrichtung der zoologischen Sammlungen in Deutschland sind vier Szenarien denkbar.
1. Zentren schaffen. Die Bundesländer verständigen sich darauf, welche Sammlungen internationale Klasse besitzen. Jeder gibt die Bereiche ab, in denen er nur in der zweiten Liga spielt, und übernimmt dafür jene, in denen er sich durch Kernkompetenz ausweist. Das hieße zum Beispiel: alle Fische nach Hamburg, Säuger nach Berlin, Lurche nach Stuttgart. Der Vorschlag wird an kleinstaatlichem Besitzdenken scheitern, obwohl das Material formal im Besitz der Herkunftsinstitution bleiben soll.
2. Modell Senckenberg. Die Frankfurter haben sich als Zentrum der Biodiversitätsforschung etabliert und Erfahrung in der Übernahme kleinerer Institutionen. »Erst kürzlich haben wir Weimar unter die Fittiche genommen«, sagt Senckenberg-Direktor Fritz Steininger. Bereits heute fließen Bundesgelder nach Frankfurt/Main – der Erfolg der Institution prädestiniert sie für höhere Aufgaben.
3. Humboldt, übernehmen Sie!
Wenn eine Hauptstadt nach Berlin ziehen kann, warum soll das nicht ein paar Sammlungen gelingen? Der Haken: Manfred Stolpe müsste wieder aus den Humboldt-Gemächern ausziehen, wenn die Alkoholpräparate geliefert werden.
4. Ab nach Tempelhof.
Eine Nationale Galerie des Lebens auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens im größten Gebäude Europas bedeutete einen echten Neuanfang auf 300000 Quadratmeter Nutzfläche. Die Idee findet breite Zustimmung bei den Fachleuten. Sammlungsdirektor Josef H. Reichholf: »Dann wären wir endlich Weltklasse!« Nachteil: Im Kriegs- und Katastrophenfall ist eine zentrale Einrichtung verletzlich.
Aufgespießt und eingeschnapst: Deutsche Zoologen haben fast 100 Millionen Tiere Konserviert. Der Reichtum ist über das ganze Land auf 194 Sammlungen verteilt. Schauen Sie hier auf der Deutschlandkarte , wo die Sammlungen sind.
- Datum 28.04.2005 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 28.04.2005 Nr.18
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