Die Hälfte aller Vogelarten der Welt ist auch in Halberstadt am Harz zu Hause. Mehr als 18000 Vogelbälge beherbergt das Museum Heineanum, darunter seltene Exemplare von ausgestorbenen Arten. Eine bedeutende Sammlung weitab der Großkollektionen in Berlin, Frankfurt, München, Stuttgart oder Bonn. "Weil wir kein zentrales Institut haben, das alle Bereiche abdeckt, sind auch die kleineren Sammlungen für unser Land wichtig", sagt Wolfgang Wägele, Direktor des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig in Bonn. Rund 200 zoologische Sammlungen sind über Deutschland verstreut. Sie finden sich in Heimatmuseen, in Stadt-, Kreis- und Landesmuseen, an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Einen Überblick über die Sammlungsvielfalt sollen nun verschiedene Datenbanken schaffen. Das Museum Alexander Koenig hat zusammen mit dem Botanischen Institut der Universität Bonn und der Zentralstelle für Agrardokumentation und -information ein Zentralregister biologischer Forschungssammlungen (Zefod) erstellt. Und am Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik in Berlin arbeitet Cornelia Weber seit einem halben Jahr daran, die Sammlungen der Universitäten in Deutschland zu erfassen. Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Weber und ihre Mitarbeiter haben bisher 20 zoologische Universitätssammlungen gezählt. "Es sind aber sicher mehr, bei den Zoologen sind wir erst am Anfang", betont sie. Schließlich fahndet Weber in allen Fachgebieten. Mit Anfragen bei den Universitäten kommt sie häufig nicht weit: "Oft wissen die selbst nicht, welche Sammlungen sie besitzen, und müssen erst einmal nachforschen."

500 universitäre Sammlungen hat Weber bisher aufgestöbert. "Ich dachte, das würde in etwa das Endergebnis sein. Aber es werden noch wesentlich mehr", sagt sie. Allein für die Biologie kommen zu den zoologischen noch die Sammlungen für Botanik, Paläontologie, Ökologie, Mikrobiologie, Meeres- und Algenkunde hinzu. Im Bereich Naturkunde, zu dem neben der Biologie vor allem die Geowissenschaften gehören, hat Weber fast 190 Universitätssammlungen ausgemacht. Der zweite Klassiker unter den universitären Kollektionen sind die historischen und archäologischen Sammlungen mit bisher 90 erfassten Einrichtungen. Einige Kollektionen sind aber auch alter und neuer Technik gewidmet – von der Lehrgrubensammlung in stillgelegten Freiberger Bergbauanlagen bis zum Computermuseum in Aachen oder Stuttgart.

Über die Bestände der zoologischen Sammlungen liefert das Bonner Zentralregister bereits eine Übersicht: 3,2 Millionen Wirbeltiere und 93 Millionen wirbellose Tiere haben die erfassten Einrichtungen zusammengetragen. 90 Prozent davon gehören den zehn größten Sammlungen, der Rest verteilt sich auf die kleineren Kollektionen. Mehr als ein Viertel der konservierten Tiere, knapp 30 Millionen, lagern im Berliner Museum für Naturkunde. Damit ist die Universitätssammlung die größte überhaupt in Deutschland, gefolgt vom Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt und der Zoologischen Staatssammlung München. Die Kleineren unter den Großen finden sich in Stuttgart, Bonn, Dresden und Hamburg.

Die finanzielle Unterstützung für die Sammlungen fällt je nach Bundesland sehr unterschiedlich aus: In Hamburg und Sachsen wird gespart, während Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und vor allem Hessen ihre Sammlungen stärker fördern. Der Bund beteiligt sich nur bei den Museen Senckenberg und Alexander Koenig im Rahmen der Leibniz-Gemeinschaft an der Finanzierung. Die Hälfte der 140 im Zefod erfassten Forschungssammlungen wird von kommunalen Trägern unterstützt, ein Viertel von Vereinen, Stiftungen und Privatleuten finanziert.

In eineinhalb Jahren will Cornelia Weber am Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik möglichst alle Universitätssammlungen aller Fachrichtungen in ihre Datenbank eingespeist haben. Beeilen muss sie sich aber nicht nur, weil dann das Projekt ausläuft: "Oft existieren an den Universitäten nicht einmal Inventarlisten, die Aufschluss über die Sammlungen geben. Dann können nur noch die Kuratoren weiterhelfen – und die meisten gehen bald in Rente."