schiller Um die Muse aufzumunternSeite 3/3

Verzeihen Sie mir, meine Damen und Herren, wenn ich im unsicheren Zwielicht abschließe. 1938, als die Nazis Wien übernahmen, meldete sich der 72 Jahre alte Sammler Max Berger beim Amt für jüdische Auswanderung. Er brachte als Lösegeld einen wertvollen Schiller-Brief. Man nahm den Brief, und danach erschlug man den alten Herrn. Die ontologischen und formalen Verstrickungen in diesem Begebnis bin ich nicht imstande zu durchdenken. Ich weiß nur, dass das Große immer gefährlich ist, dass es uns immer prüft. Aber was wäre das Fortleben des menschlichen Geistes ohne solche Gefahr?

George Steiner, geboren 1929 in Paris, emigrierte 1940 mit seiner aus Wien stammenden jüdischen Familie nach New York. Er lehrte Vergleichende Literaturwissenschaft in Genf und Cambridge. Seit 1994 ist er Professor in Oxford. Zuletzt erschien im Hanser Verlag »Der Meister und seine Schüler«

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Rede zur Eröffnung der Marbacher Sonderausstellung zu Schillers Leben und Werk, gehalten am 23. April. Gekürzte Fassung

 
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