DIE ZEIT: Herr Hoeneß, der FC Bayern steht im DFB-Pokalfinale, hat beste Chancen, Meister zu werden, nur mit der Champions League hat es wieder nicht geklappt. Wie tief sitzt der Schmerz?

Uli Hoeneß: Es bleibt kein Schmerz zurück. Wir haben eine gute Vorstellung gegeben. Gegen eine Mannschaft wie Chelsea kann man ausscheiden.

ZEIT: Gleich nach dem Spiel haben Sie gesagt: "Eigentlich war der FC Bayern das bessere Team, aber die anderen waren die Glücklicheren." Bisher hat man so etwas immer umgekehrt gehört.

Hoeneß: Ja, es hat sich etwas verschoben. Da ist aus Russland ein Herr Abramovic gekommen, er geht zu Tony Blair und sagt, er möchte Engländer werden, er kauft einen Fußballverein – und gibt dafür Geld ohne Ende. Ich schätze, dass er in den letzten drei Jahren zwischen 300 und 500 Millionen Euro in diesen Fußballverein gesteckt hat. Nun glaube ich nicht, dass das so bleibt. Wenn es so bliebe, hätten wir auf die Dauer keine Chance.

ZEIT: Ändert sich die Selbstwahrnehmung des FC Bayern: im Inland der Krösus, international die Kirchenmaus?

Hoeneß: Chelsea ist eine Sache. Die andere ist Folgendes: Als wir im Herbst in Turin gespielt haben, hat mich total geschockt, dass zu dem Spiel keine 60000, sondern nur 25000 Zuschauer kamen. Mein Kollege Roberto Bettega erklärte das damit, dass die Zuschauer, die am nächsten Morgen arbeiten müssen, das Spiel lieber im Fernsehen verfolgen. Aber das sei für den Verein kein Problem. "Wir bekommen vom Fernsehen pro Jahr 95 Millionen Euro", sagte er mir. Der FC Bayern bekommt vom Fernsehen in Deutschland nur 18 Millionen Euro im Jahr. Wenn sich das nicht ändert, indem zum Beispiel Premiere mehr bezahlt, haben wir auch da ein Problem.

ZEIT: Welche Rolle spielte die Aussicht auf viel Geld bei Ihrer eigenen Entscheidung, Profifußballer zu werden?