Geld macht nicht glücklich«, und »Einstein war schlecht in der Schule« – so trösten wir uns, wenn wir gern mehr Euro auf der Kante und weniger Sechsen im Zeugnis hätten. Stimmt’s? Der junge Albert brachte tatsächlich Sechsen und Fünfen nach Hause, nur wird in der Schweiz umgekehrt gezählt, ist also die Sechs die beste Zensur. Doch hält sich diese Legende so hartnäckig wie die, wonach Reichtum nicht das Glück beflügele. Auch die ist falsch, aber…

Glücksforschung? Ja, die gibt es; sie hat sich in den letzten zwanzig Jahren sogar zu einer ausufernden akademischen Industrie entwickelt. Ihr jüngstes Produkt wurde gerade episch breit in deutschen Gazetten von der FAZ bis zur deutschen Financial Times ausgebreitet: das Buch des Briten Richard Layard, das im Original den Titel The New Happiness trägt, im Deutschen Die glückliche Gesellschaft. Allein die Bibliografie erstreckt sich über 25 Seiten, die Fußnoten, die auf andere Arbeiten verweisen, gar über 32 Seiten. Es gibt sogar ein Journal of Happiness Studies. Umfragen wie die World Happiness Database beschäftigen sich ebenso mit dem Glücklichsein, wie es der Nobelpreisträger in Ökonomie Daniel Kahnemann in seinem Buch Well-Being: The Foundations of a Hedonic Psychology tut.

Der Leser ahnt es schon: tausend Studien, genauso viele Datensätze und noch mal so viele Meinungen. Was also ist das Glück, worauf stützt es sich, wie verteilt es sich weltweit?

In einem Punkt sind sie sich alle gleich: Geld macht doch glücklich, jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt. »Geld ist besser als Armut«, meldet auch Woody Allen, »und sei es nur aus finanziellen Gründen.« Oscar Wilde: »Als ich jung war, wähnte ich, dass Geld wichtig sei. Jetzt, da ich alt bin, weiß ich, dass es stimmt.«

Dann wird’s komplizierter. Daten aus den USA besagen, dass die Glückskurve bis in die sechziger Jahre steiler anstieg als die des Pro-Kopf-Einkommens. Seitdem hat sich dieses um 80 Prozent vermehrt, derweil das »Sehr-glücklich-Gefühl« gleich geblieben ist (nationaler Durchschnittswert auf einer Skala, die von »sehr glücklich« bis »sehr unglücklich« läuft). Daraus darf man schließen, dass Geld doch glücklich macht – aber nur bis etwa 20000 Dollar pro Jahr und Kopf. Hernach scheint die Kausalität nicht mehr richtig zu greifen.

Oder doch? Daniel Kahnemann, Nobelpreisträger 2002, meint: »Die Leute sind zufriedener mit ihrem Leben, wenn ihr Einkommen höher ist« – wiewohl er notiert, dass auch die »Bedürfnisse mit dem Einkommen wachsen«, mithin zu Frust und Unglück beitragen. Wie sieht es im internationalen Vergleich aus?

Addieren wir die Antworten »sehr glücklich« und »eher glücklich« aus der World Happiness Database (Achtung: andere Umfragen liefern andere Werte), haben Woody Allen und Oscar Wilde Recht. Jedenfalls ist es keine Überraschung, dass Nordamerika, Europa und Ozeanien – der Westen – als Inseln der Seligen hervorstechen, derweil das Gros der Dritten Welt, also Afrika und Asien, dazu Russland, von den »eher« oder »sehr« Unglücklichen bewohnt wird.

Interessant wird’s bei den Ausreißern. Fast das gesamte Lateinamerika von Mexiko bis Feuerland gehört zu den »eher Glücklichen«, wenn nach »Lebenszufriedenheit« gefragt wird. Dito China, Indonesien, die Philippinen – allesamt keine Zentren des märchenhaften Reichtums. Noch bizarrer: Ein sehr armes Land wie Guatemala ist einen Zehntelpunkt weg von »sehr glücklich«, was sonst nur für eine Hand voll westlicher Staaten zutrifft. Folglich müssen wir andere Faktoren als das schnöde Geld hinzuziehen.