800 Neonazis zogen am Sonntag durch Leipzig. Dabei kam es zu heftigen Ausschreitungen zwischen Rechten und linken Gegendemonstranten. Mit Wasserwerfern und Reiterstaffeln versuchten die Einsatzkräfte, die Lager voneinander fern zu halten, wie die Polizei mitteilte. 30 Beamte und 10 Demonstranten wurden den Angaben zufolge bei den Krawallen verletzt.

Die Polizei nahm 104 Menschen vorläufig fest. Der größte Teil kam bis zum späten Abend wieder auf freien Fuß. Davon gehörten neun dem rechten Lager an. Nach Behördenangaben wurden 589 Platzverweise erteilt. Die Zahl der linken Gegendemonstranten schätzte die Polizei auf 4000, davon wurden 2000 als gewaltbereit eingestuft. Es waren rund 2750 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz im Einsatz. Es entstand Sachschaden in Höhe von rund 64.000 Euro unter anderem an Polizeiautos, Müllcontainern sowie einem Gebäude der Polizei.

Neonazi Christian Worch hatte gerichtlich eine Routenführung durch die linkalternativ geltende Südvorstadt erzwungen. Dies versuchten Linke mit Sitzblockaden zu verhindern. Weil die Behörden die Sicherheit der Rechten am Sonntagabend nicht mehr garantieren konnten, bewegten sie Worch letztlich zur Umkehr.

Schon bei der Ankunft der Neonazis hatte es am Hauptbahnhof erste Zwischenfälle gegeben. Rechtsextreme hatten nach stundenlangem Warten Rangeleien mit der Polizei provoziert und mussten zurückgedrängt werden. Wegen einer Vielzahl von Auflagen und strenger Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt hatte sich der Abmarsch der Neonazis verzögert. Linke versuchten, zu den Neonazis durchzukommen. Zuvor hatten rund 1500 Menschen friedlich gegen den Aufmarsch der Rechten protestiert.

Leipzigs Bürgermeister Holger Tschense, SPD, sah die Befürchtungen der Stadt bestätigt. "Die Gewaltbereitschaft gegenüber früherer Demonstrationen lag deutlich höher. Auch von den Rechten wurden diesmal Steine geworfen", sagte der Politiker. Dennoch rief Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, ebenfalls SPD, die Leipziger bei einer Kundgebung erneut zum friedlichen Protest auf: "Leipzig ist eine Hochburg des Widerstands gegen rechte Gewalt und soll es auch bleiben", sagte er. Er wurde gehört. Rund 20.000 Menschen hatten parallel friedlich bei einem Konzert am Völkerschlachtdenkmal gegen rechte Gewalt protestiert.