Zum ersten Mal weht in Jerusalem die russische Fahne. Bis zu Vladimir Putins Besuch hatte sich noch nie ein Kreml-Chef die Mühe gemacht, Israel zu besuchen. Allein schon deshalb ist er warm aufgenommen worden. Bislang waren die Beziehungen der beiden Länder komplex und wechselhaft.

Die Israelis werden ewig dafür dankbar sein, dass die Sowjetunion und ihre kommunistischen Satellitenstaaten 1947 für den Teilungsplan der Vereinten Nationen gestimmt und während des darauffolgenden Unabhängigkeitskrieges militärische Hilfe geleistet hatten. Später jedoch wechselte die UdSSR ins arabische Lager, dem es auch Waffen lieferte. Dazu hinderte Moskau Juden aus dem Gebiet der UdSSR daran, nach Israel einzuwandern.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion drehte sich der Wind abermals. Seither zog es mehr als eine Million Einwanderer nach Israel. Sie pflegen ihre Muttersprache und Kultur auch in der neuen Heimat. Die Handelsbeziehungen blühen, es gibt Militärkooperationen, die auf den Kampf gegen islamischen Terror ausgerichtet ist. So hatten israelische Sicherheitsexperten zu Beginn der Monats ihre Kollegen in Südrussland darin unterrichtet, wie sich Schulen sichern lassen.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem israelischen Kollegen Moshe Katzaw betonte Putin am Donnerstag, dass sich beide Seiten auf eine noch engere Zusammenarbeit geeinigt hätten. Für eine gute Partnerschaft in Zukunft gebe es alle Voraussetzungen, fügte er hinzu. Putin erinnerte auch an den gemeinsamen Feind -– die Nazis -– der beide Völker nicht gebrochen habe.

Alle Freundschaftsbeteuerungen konnten die Differenzen aber nicht überdecken. So ließ sich Putin nicht von seinem jüngsten Waffenhandel mit Damaskus abbringen, der Israel stark beunruhigt. Die überaltete syrische Armee soll mit einem modernen russischen Luftabwehrsystem ausgerüstet werden. Putin argumentiert, dass die Raketen nur zum Schutz des Präsidentenpalasts dienten - über dem bisher immer mal wieder die israelische Luftwaffe kreist. In Israel wiederum herrscht die Sorge, dass die Raketen mit relativ kleinen Abschussgestellen in die Hände der Hizbollah oder andere Terror-Gruppen fallen könnten. Putin verteidigte sein Waffengeschäft in dieser Hinsicht jedoch als unbedenklich, was Präsident Katzaw wiederum nachdrücklich in Frage stellte.

Nur knapp äußerte sich Putin in der Pressekonferenz zum Streitthema Iran. Er unterstütze die Entwicklung des dortigen Atomprogramms zu „friedlichen Zwecken“. Doch müsse Teheran eine internationale Beobachtung seiner nuklearen Aktivitäten akzeptieren. Katzaw sagte, er habe während seiner Gespräche das Gefühl vermittelt bekommen, dass es auf diesem Gebiet „Fortschritte“ gebe.

In Israel wurde viel darüber spekuliert, was Putin letztlich zu seinem Besuch bewegt hat, der überraschend angekündigt worden war. Sicher steckt dahinter der Wunsch, wieder eine wichtigere Rolle im Nahen Osten zu spielen. Nachdem aber sein überraschender Vorschlag für eine Nahostkonferenz von Israel und den Vereinigten Staaten zurückgewiesen wurde, musste er sich mit der gemeinsamen Erklärung zufrieden geben, dass alles unternommen werde, um einen nahöstlichen Frieden zu erreichen.