DIEZEIT: Sie sind gebürtiger New Yorker. Ihr Name klingt aber nicht sehr amerikanisch.

JamesVaupel: Nein, meine Familie ist eine wilde Mischung, sie hat deutsche, schwedische und französische Wurzeln. Ich bin mit einer Dänin verheiratet, und in Dänemark wohnen wir auch. Aber ich arbeite in Rostock. Es ist vielleicht kein Zufall, dass ich Demograf bin.

ZEIT: Die Vereinigung hat den Menschen im Osten nicht nur Max-Planck-Institute beschert, sondern auch ein längeres Leben. Wie kommt das?

Vaupel: Die Mortalität der älteren Menschen ging nach 1990 stark zurück. Bei Kindern und Jugendlichen war die Sterblichkeit in der DDR immer vergleichbar mit der im Westen.

ZEIT: Woran starben die DDR-Rentner denn?

Vaupel: Na ja, an den Klassikern: Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und Infektionen. Aber die eigentlichen Gründe waren Armut, schlechte Ernährung und die medizinische Versorgung in der DDR. Sie war auf Kinder und Erwerbstätige ausgerichtet. Als das Rentensystem der BRD auf den Osten ausgedehnt wurde, hatten die Alten mehr Geld für gute Ernährung, frisches Gemüse, Obst. Auch das bundesdeutsche Gesundheitssystem kam den Alten zugute. Sie erhielten bessere Medikamente, es gab gute Altenheime und Krankenhäuser. Nun ist die Lebenserwartung in den neuen Bundesländern so hoch wie im Westen.

ZEIT: Und wird weitersteigen. Sie haben vorhergesagt, im Jahr 2060 werde man im Schnitt 100 Jahre alt. Ziemlich kühn.