die zukunft des kapitalismus Kapitalismus ist unser faustischer PaktSeite 3/3

Manche hatten schon befürchtet, der Kapitalismus werde uns, lange bevor wir in den durch die Erderwärmung steigenden Meeresspiegeln ertrinken, rettungslos verblöden lassen (so Huxley in Schöne neue Welt). Ich selbst glaube, dass Menschen klüger und widerstandsfähiger sind und den Kontakt zu den tieferen Bedeutungen des Lebens nicht ganz und gar verlieren.

Nicht zu übersehen ist allerdings, dass der kulturelle Bereich Schauplatz von Widersprüchen ist, die der Kapitalismus allesamt selbst erzeugt. So ist der Kapitalismus vielleicht unser faustischer Pakt, wie Goethe es am Ende von Faust II selbst anzudeuten scheint. Faust erscheint darin als titanenhafter Bauunternehmer, und das alte Paar Philemon und Baucis nimmt sich aus wie Geopferte und Marginalisierte. Wir versuchen, der Ökonomie und der wirtschaftlichen Entwicklung durch vorauseilende Bejahung zu entkommen; wir wollen schneller sein als »der Geist, der stets verneint«. Dabei entgeht uns, dass gerade die unablässige Bejahung des ökonomischen Fortschritts vielleicht die verheerendste Verneinung von allen ist.

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Charles Taylor, einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart, ist Professor emeritus für Philosophie an der McGill-Universität, Montreal/Kanada. Zu seinen Hauptwerken gehört die Studie »Quellen des Selbst« (Suhrkamp Verlag)

Aus dem Englischen von Karin Wördemann

 
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