Danke für den Artikel, der eindrücklich vor Augen führt, wie gefährdet Kinder sind, deren Eltern nicht angemessen für sie sorgen können beziehungsweise wollen. Über die Beispiele hinaus, die an die Öffentlichkeit dringen, kann von einer steigenden Anzahl von unterstützungsbedürftigen Familien ausgegangen werden.

Mein Vorschlag zur Prävention wäre die stärkere Einbindung von Hebammen. Sie haben einen einfacheren Zugang als jemand vom Amt. Es gibt so genannte Familienhebammen, die auf die Betreuung von Risikofamilien spezialisiert sind und diese ein Jahr begleiten. Der Hebammenverband ist zurzeit bemüht, für diese Arbeit zwischen Geburtshilfe und Sozialarbeit Geld aus dem Topf des Präventionsgesetzes zu sichern. Möge dies gelingen!

EVA SCHNEIDER, HEBAMME, NÜMBRECHT

Sabine Rückert verdient Lob für ihr Dossier zum Thema Kindesmisshandlung, insbesondere für ihre Kritik am Nichteinschreiten von Nachbar(inne)n und Behörden. Doch ihre sozial-anthropologischen Beobachtungen lassen zu wünschen übrig. Während sie die Frage, weshalb Mütter ihre Kinder misshandeln oder vernachlässigen, eingehend behandelt, wird das Verhalten gerade der leiblichen Väter nicht weiter untersucht. Dies ist umso verwunderlicher, als Rückert die mütterliche Sorge um den Nachwuchs nicht als biologische Gegebenheit beschreibt, sondern als ein Verhalten, das erst erlernt werden muss. Weshalb stellt sich dann dieselbe Frage nach Gründen für Kindesmisshandlung nicht für leibliche Väter?

DR. BEATE SISSENICH, BLOOMINGTON INDIANA/USA

Das erschütternde Dossier über das Leiden seelisch und körperlich misshandelter Kinder lässt nur eine Schlussfolgerung zu. Um in Zukunft früher einschreiten zu können, bedarf es der Wiedereinführung der Säuglings- und Kleinkinderkontrollen durch die unabhängigen Gesundheitsämter. Es stellt sich die Frage, ob ein Hausarzt, der seine ökonomischen Interessen durch einen falschen Alarm gefährdet sieht, die geeignete Instanz ist, ein Unrecht publik zu machen. Regelmäßiges Wiegen, regelmäßige Untersuchungen des Kindes sowie Gespräche mit den Eltern tragen dazu bei, Missstände, wie sie der Artikel beschreibt, aufzudecken und ihnen vorbeugen zu können.

Auch sollte man den hier in Norwegen üblichen obligatorischen Hausbesuch durch einen Vertreter der Gesundheitsbehörden ein paar Tage nach der Entlassung von der Entbindungsstation auch in Deutschland einführen. Bereits bei diesem ersten ambulanten Kontakt können die ärgsten Alarmzeichen aufgefangen werden, sodass dem Kind Schutz und der Familie Hilfe angeboten werden können.