afrika Warum Togo wichtig ist

Westafrikas Staaten sind einsturzgefährdet

Das Goethe-Institut brennt! Unser Goethe-Institut in Togo! Die Empörung im Land des Dichters ist so groß, dass man das Drama im fernen Afrika beinahe vergisst: Mehr als hundert Tote, 12000 Menschen auf der Flucht, blutige Unruhen in den Straßen der Hauptstadt Lomé. Man musste kein Hellseher sein, um das Chaos in Togo vorherzusagen, denn angekündigt hatte es sich bereits im Januar. Damals starb der alte Despot Gnassingbe Eyadema, und sogleich installierte das Militär seinen machthungrigen Filius Faure Gnassingbe als Nachfolger. Der ließ sich vergangene Woche durch einen gefälschten Urnengang im gestohlenen Präsidentenamt bestätigen. Die Opposition rief zum gewaltsamen Widerstand auf, und urplötzlich entlud sich die ganze Wut, die sich in 38 Jahren Diktatur aufgestaut hatte.

Zwangsläufig gerieten auch Ausländer ins Fadenkreuz des Regimes, besonders die diplomatischen Vertreter der einstigen Kolonialmacht Deutschland, denn die hatten einem abtrünnigen Minister auch noch Asyl in ihrer Botschaft gewährt. Die Folgen der Parteinahme sind im gerade erst wiedereröffneten Goethe-Institut zu Lomé zu besichtigen – es wurde von vermummten Marodeuren verwüstet.

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Derartige Anschläge gehören wie Fehmemorde, Folter oder Pressezensur zu den Instrumenten von Gewaltregimes, nicht nur in Togo und nicht nur in Afrika. Es überrascht auch nicht, dass sich die staatliche Hetze gegen »konspirative Ausländer« richtet, gegen Weiße, die man für die weitgehend selbstverschuldete Misere verantwortlich macht – die Franzosen und Briten mussten das zuletzt an der Elfenbeinküste respektive in Simbabwe erfahren.

Neu ist hingegen, dass es diesmal auch Deutsche trifft und dass zum ersten Mal ein deutsches Kulturinstitut zerstört wurde. Was die Sache besonders pikant macht: Es war nicht blinde Zerstörungswut, der Furor africanus, sondern der gezielte Schlag einer Diktatur, die jahrzehntelang von Frankreich alimentiert wurde, von der zweiten Kolonialmacht, die bis zum heutigen Tage insgeheim eine solche geblieben ist. Der Despot Eyadema und der Demokrat Jacques Chirac pflegten bis zuletzt freundschaftliche Bande, und schon seit Charles de Gaulles Zeiten sorgte die Afrika-Zelle im Elysée für großherzige Bruderhilfe. Wen wundert’s, dass Paris nur halblaut gegen den Vandalismus protestiert hat?

Derweil gehen die Unruhen in Togo weiter. »Nicht noch ein gescheiterter Staat in Afrika! Unser Kontinent hat schon genug geblutet!«, warnt die ghanaische Tageszeitung The Chronicle und bringt den Unmut im Nachbarland auf den Punkt. Denn einer nach dem anderen versinken die Staaten Westafrikas in Gewalt und Anarchie: Sierra Leone und Liberia sind nur noch Staatsruinen. Guinea steht kurz vor dem Kollaps. Der von ethnischen und religiösen Konflikten gepeinigte Riese Nigeria wankt. Die einst prosperierende Elfenbeinküste zerstört sich gerade in einem Bürgerkrieg selbst. Und jetzt auch noch Togo – ein kleines Steinchen zwar, aber es könnte schwer wiegen, wenn es den Staaten der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas nicht gelingt, einen offenen Bürgerkrieg abzuwenden. Sie könnten dafür den diplomatischen Beistand der einstigen Kolonialmächte Deutschland und Frankreich brauchen.

 
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