Lebensgefühl Das Glück der Kinder

"Die Familie lebt", sagt das Deutsche Jugendistitut. Obwohl viele Pessimisten es nicht glauben mögen: Die meisten Kinder sind zufrieden und optimistisch

Deutschlands Kinder sind zufriedener und optimistischer als alle denken. In den meisten Familien ist das emotionale Klima gut, schreibt das Deutsche Jugendinstitut (DJI). "Fast alle Acht- bis Neunjährigen finden sich selbst okay und sind meist gut gelaunt", schreiben die Forscher in ihrer Studie "Kinder geben Auskunft". Fragt man Eltern, sagen auch die, dass ihre Kinder meistens gut gelaunt sind. Außerdem nehmen Kinder Familie als die wichtigste Lebensform wahr. "Die traditionelle Familie lebt", sagte die Psychologin Angelika Traub vom DJI.

25 Prozent aller Kinder leben nicht bei ihren beiden leiblichen Eltern, nur jedes fünfte Kind hat weder Bruder noch Schwester, mit denen es spielen, streiten und sich wieder vertragen kann. Ob Einzelkind oder Geschwister, alternative oder traditionelle Familienform: Fast alle Kinder fühlen sich in ihrer Familie wohl. Nur zwei Prozent empfinden das Klima in ihrer Familie als schlecht. Kummer und Enttäuschung sind für fast alle Kinder dennoch normale Erfahrungen. Die Eltern nehmen diese Gefühle aber nicht so häufig wahr wie etwa Wut, schreiben die Wissenschaftler.

Auch Auseinandersetzungen und Streit gehören dazu, und mit manchem Thema schlagen sich Eltern und Kinder schon seit Generationen herum: "Das Konfliktthema Nummer eins ist das Aufräumen des Kinderzimmers." Und was tun Kinder am liebsten? Fernsehen.

109 Forscher waren mit den Fragebögen wochenlang unterwegs, um Kinder und Eltern zu befragen. Die Ergebnisse strafen diejenigen Lügen, die denken, dass Familien und Kinder vor allem in schlechten Umständen leben und unzufrieden sind. "Die größte Überraschung ist, dass die Kinder in so hohem Maße mit ihrem Leben zufrieden sind" , sagte Projektleiter Christian Alt. Dabei lebe ein Drittel der Kinder in kleinen und schlecht ausgestatteten Wohnungen oder Gegenden mit viel Verkehr und wenig Spielmöglichkeiten, und jedes zehnte Kind habe keinen einzigen guten Freund. "Da ist viel Licht, aber auch viel Schatten", sagt Alt. Jedoch engagierten sich die Eltern sehr für ihre Kinder. "Die Zufriedenheit in der Kindheit ist auch eine Leistung der Eltern."

Was ist mit der Schule? Die finden die meisten Kinder gut. "Achtzig Prozent der Kinder macht das Lernen Spaß." Nur 13 Prozent gehen ungern zur Schule, fünf Prozent fühlen sich in der Klasse nicht wohl. Fast alle schätzen auch ihre eigenen Leistungen positiv ein. Die Eltern sind zwar kritischer, jedoch sind fast alle mit ihrem Nachwuchs zufrieden. Vierzig Prozent der Kinder haben allerdings Angst, zu viele Fehler zu machen. Das sei insofern bedenklich, als Fehler zum Lernen gehörten, sagte Traub. Kinder aus niedrigeren Schichten äußerten diese Sorge häufiger als andere. Ausländer sind öfter sozial benachteiligt; jedes fünfte Kind lebt in einer Familie, in der mindestens ein Elternteil zugewandert ist.

Die Studie will vor allem die psychosoziale Entwicklung der Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren erfassen, die bisher nur aus Sicht der Eltern bekannt sei. "Wir haben erst spät angefangen, die Kinder und Jugendlichen selbst zu befragen", sagt Alt. Befragt werden in drei Etappen jeweils rund 1.100 Familien mit Kindern in den Altersgruppen fünf bis sechs Jahre und acht bis neun Jahre. Die ersten Befragungen fanden 2002/2003 sowie 2004 statt, die letzte soll Ende dieses Jahres folgen.

 
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  • Quelle dpa, 9.5.2005
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  • Schlagworte Kinder | Familie | Sozialstruktur | Einkommen | Bevölkerung
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