Finanzinvestoren Private Equity

Die Firmenjäger

Worum geht es?

Die ersten Private-Equity-Fonds (auch als Investoren bezeichnet) entstanden in den siebziger Jahren in den USA und in Großbritannien. In Deutschland sind sie seit Mitte der neunziger Jahre aktiv. Ihr Geschäft ist die Übernahme, der Umbau und Wiederverkauf von Unternehmen durch den Einsatz von Eigenkapital (daher »Equity«). Entweder werden die gekauften Unternehmen für eine gewisse Zeit von der Börse genommen oder sind dort noch gar nicht notiert gewesen (daher »Private«). Mehr als 40 Milliarden Euro haben diese Finanzinvestoren in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland investiert; in diesem Jahr wollen sie sogar 200 Milliarden Euro in Firmenkäufe stecken. Schon heute kontrollieren sie knapp 5000 deutsche Unternehmen mit 400000 Beschäftigten.

Schlagzeilen machte das Modell erstmals 1989, als zwei Investoren um die Übernahme des US-Lebensmittelkonzerns RJR Nabisco stritten. Private Equity ist riskant, das Scheitern gehört zum Geschäft; allerdings locken im Erfolgsfall auch Renditen von jährlich 15 bis 40 Prozent. Im weiteren Sinn gehört zu Private Equity auch die Finanzierung von jungen Unternehmen mit Risikokapital, das so genannte Venture Capital.

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Die Protagonisten

Deutsche Häuser sind nur bei Übernahmen im Mittelstand von Bedeutung. Dominiert wird das Geschäft von amerikanischen Firmen wie Kohlberg, Kravis, Roberts (KKR), Blackstone oder Carlyle sowie von paneuropäischen Häusern wie BC Partners, Permira oder Apax, die ihre Wurzeln meist in Großbritannien haben. Solche Firmen sind im Fokus des als »Heuschrecken-Liste« bekannten SPD-Papiers.

Ausgewählte Deals:

Firmen Jahr Käufer Kaufpreis (in Euro)

Celanese 2003/04 Blackstone 3,1 Mrd.

Grohe 2004 Texas Pacific/CSFB 1,5 Mrd.

ATU 2004 KKR 1,4 Mrd.

Tank & Rast 2004/05 Terra Firma 1,0 Mrd.

BASF Drucksysteme 2004 CVC 683 Mio.

Debitel 2004 Permira 640 Mio.

Mögliche Unternehmen im Fokus:

Ruhrgas Industries, VTG, MTU Friedrichshafen, Aldiana. Selbst der Kauf von großen Dax-Konzernen wie MAN oder Linde gilt heute als möglich, falls mehrere Investoren kooperieren.

Wie funktioniert das Geschäft?

Als Erstes wird ein Fonds aufgelegt, das Geld dafür kommt vor allem von Pensionsfonds, Banken oder Versicherungen. Der zweite Schritt ist der Erwerb der Mehrheit an einem Unternehmen, finanziert zu einem Drittel mit dem Eigenkapital des Fonds, zu zwei Dritteln über Bankkredite. Zurückgezahlt werden diese Kredite aus dem Cash Flow der gekauften Unternehmen und dem Erlös beim späteren Börsengang oder Verkauf. Das erzeugt großen Druck auf Mitarbeiter und Firmenleitung, denn Private-Equity-Firmen bleiben nur einige Jahre beteiligt. Vor dem Wiederausstieg werden die Firmen oft restrukturiert, fusioniert oder zerlegt. Weil ein Börsengang zuletzt kaum möglich war, gingen immer mehr Investments von einem Private-Equity-Haus zum nächsten.

Was sagen die Kritiker?

Die gekauften Unternehmen bezahlen die für ihren Kauf gemachten Schulden zum Teil selbst. Das führt am Anfang oft dazu, dass die Firmen, wie jetzt ATU, Verluste schreiben. Auch die Strategie des Zerlegens oder harten Sanierens ist problematisch. Misserfolge in Deutschland: Fairchild Dornier (Insolvenz) und die Bundesdruckerei (Weiterverkauf für einen Euro).

Was entgegnen die Investoren?

Allein schon aus steuerlichen Gründen sind Schulden nicht per se schlecht, außerdem werden sie nicht aus den stillen Reserven des Unternehmens getilgt, sondern aus dem laufenden Ergebnis (Free Cash Flow). Im Idealfall ist eine Private-Equity-Transaktion eine freundliche Übernahme, bei der das Management beteiligt wird. Aktuelles Beispiel: Wincor Nixdorf, wo Tausende neue Stellen entstanden.

 
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