Religion »Glauben ist mehr als ein Körperzustand«Seite 3/3
ZEIT: Aus dem Blickwinkel eines Anthropologen aber hat sich der Glaube an einen monotheistischen Gott historisch entwickelt und auf Vorläuferreligionen aufgebaut.
Huber: Ich hab ja nicht gesagt, dass die Menschheit zu allen Zeiten die Klarheit hatte, von der ich jetzt rede. Auch die Christen hatten diese Klarheit nicht zu allen Zeiten – ich behaupte auch nicht, dass ich sie zu allen Zeiten hätte. Aber im Hinblick auf die Anstrengung des Glaubens scheint mir nur das eben beschriebene Verständnis eine konsequente Konzeption. Wichtig ist aber auch die Feststellung, dass dieser Glaube auf Offenbarung angewiesen ist. Er kann sich also gerade nicht darauf beziehen, dass er sich alles selbst so trefflich ausgedacht hat. Das kommt auch in dem Begriff Religion zum Ausdruck. Er wird oft auf religare (lat., zurückbinden) zurückgeführt. Ich halte es aber für sehr viel wahrscheinlicher, dass Religion ethymologisch zurückgeht auf religere (lat., wieder lesen, etwas immer wieder tun). Man versichert sich eines tragenden Grundes für das eigene Leben dadurch, dass man dieses Grundes in regelmäßig wiederholten Handlungen gewiss wird, dass man Gott in wiederkehrenden Riten und in einem als verbindlich anerkannten Handeln verehrt. Es gehört ja zu den Kennzeichen unserer Zeit, dass diese Dimension des Glaubens wieder verstärkt ins Bewusstsein tritt.
Die Fragen stellten Ulrich Bahnsen und Ulrich Schnabel
- Datum 11.05.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 11.05.2005 Nr.20
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