Es wäre eine Sensation der zeitgenössischen Kunstgeschichte: In New York sollen 32 unbekannte Werke von Jackson Pollock, dem großen US-Künstler des vergangenen 20. Jahrhunderts, entdeckt worden sein. Der Filmautor Alex Matter gab in New York bekannt, dass er die Bilder vor zwei Jahren im Nachlass seines Vaters entdeckt habe: Matters Vater - der Fotograf und Grafikdesigner Herbert Matter - war lange mit Pollock und dessen Frau Lee Krasner befreundet.

Die Fundstücke waren in braunem Packpapier eingeschlagen und fanden sich neben persönlichen Unterlagen, Fotografien und Werken von Philip Guston und Willem de Kooning in einem New Yorker Lagerhaus, berichtete Matter in New York. 22 der typischen Pollockschen Drip-Paintings sowie zehn Emailbilder und Studien schlummerten dort, seit sein Vater die Werke 1958 im Lagerhaus einer Spedition in East Hampton, Long Island eingelagert habe. Pollock erlangte derweil mit seinem Drip-Art-Painting Weltruhm.

1946 erfand Pollock seine innovative und unkonventionelle Farb-Spritztechnik, mit der er Anfang der 1950er Jahre die Kunstszene aufwirbelte und schnell zu einem der gefragtesten modernen Künstler Amerikas wurde. Gemäß einer Notiz von Matter, die den Werken beigelegt war, soll der Künstler die nun gefundenen Arbeiten zwischen 1946 und 1949 geschaffen haben - in einem Zeitraum, in dem der damals noch unbekannte Pollock im Studio von Herbert Matter wohnte und arbeitete. 

Bilder aus der frühen Periode Pollocks sind von besonderem Interesse, da sie Auskunft über die künstlerische Entwicklung des Amerikaners geben könnten. "Ich glaube, dass bisher sehr wenige von (Pollocks) frühen Bildern gezeigt werden", sagte Matter bei der Präsentation von drei der gefundenen, farbenprächtigen Bilder in der Borghi-Galerie in Manhattan. "Sie sind vor seiner arbeitsreichen Periode von 1950-53 entstanden. Bilder aus den Jahren 1947, 1948 und 1949 werden von den Museen selten verliehen, da sie so rar sind."

Viele von Pollocks Gemälden wurden bisher für mehrere Millionen Dollar ersteigt. Noch im vergangenen Jahr hat ein unbekannter Kunstliebhaber bei einer Christie's-Auktion das großformatige Pollock-Bild Nummer 12 aus dem Jahre 1949 für 11,65 Millionen Dollar erworben.

Der 63-jährige Matter sagte amerikanischen Medien, dass er den Fund nicht früher enthüllt habe, da er am Herzen operiert werden musste. Zudem seien die Bilder zunächst gereinigt und dann einem Autorisierungsprozess unterzogen worden. Anerkannte Pollock-Experten haben sich bislang zur Authentizität aber noch nicht geäußert. Lediglich Ellen G. Landau, die ein Buch über den Künstler geschrieben hat und das Werkverzeichnis seiner Frau Lee Krasner führt, erklärte sich öffentlich von der Echtheit der Bilder überzeugt. Die Pollock-Krasner Stiftung hingegen, die den Nachlass verwaltet und den Werkkatalog führt, gibt bislang keine Stellungsnahme ab. Das Copyright an den neuen Werken hat sich die Stiftung vorsichthalber aber schon gesichert.

Die Bilder sollen zunächst bei einer Ausstellung des New Yorker Kunsthändlers Mark Borghi im kommenden Jahr gezeigt werden. Der Zeitpunkt für die Enthüllung des sensationellen Funds ist allemal passend: Der Todestag des großen Künstlers jährt sich 2006 zum fünfzigsten Mal, nachdem der exzessive Alkoholiker im Alter von 44 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam.