Voetsek! Verpiss dich! So redet man in Südafrika normalerweise nur mit Hunden. In diesem Falle kam das Schimpfwort aus dem Munde eines Parlamentsabgeordneten, und es war gegen einen Pillenhändler aus Deutschland gerichtet: gegen Dr. Matthias Rath. Ja, richtig, das ist der Mediziner, der im vorigen Jahr als Scharlatan entlarvt wurde, nach dem Tod des kleinen Dominik, den er mit seinen Wunderelixieren vom Knochenkrebs kurieren wollte.

Aber ein wahrer Doktor Eisenbarth gibt so schnell nicht auf. Seit geraumer Zeit betreibt Rath in den schwarzen Townships von Kapstadt seine dubiosen Geschäfte. Dort, wo prozentual mehr Menschen HIV-positiv sind als sonstwo auf der Welt, preist er einen Vitamin-cocktail als Heilmittel gegen Aids an. Zugleich warnt er auf Großplakaten vor antiretroviralen Medikamenten, die das Leben von Infizierten erleichterten und verlängerten – Rath nennt sie hoch toxische Substanzen, die Patienten töteten. Damit dies auch der Rest der Welt erfahre, hat er jetzt ganzseitige Anzeigen in der New York Times und der International Herald Tribune geschaltet, in denen er die Pharmaindustrie eines "Aids-Genozids" bezichtigt.

Man könnte derartige Anwürfe als Wahngebilde eines Quacksalbers abtun. Aber die Werbetafeln in den Elendsvierteln am Kap verwirren die Menschen, und viele glauben die Verschwörungstheorie, derzufolge Big Pharma aus reiner Profitgier einen Massenmord veranstaltet. Und dann gibt es da noch eine hochmögende Person, die dem Vitamingroßhändler beipflichtet: Manto Tshabalala-Msimang, die Gesundheitsministerin von Südafrika. Neulich gab sie zum Besten, dass sich der Aids-Plan ihrer Regierung nicht wesentlich von dem des Dr. Rath unterscheide. Auch die Ministerin – eine Ärztin! – hält antiretrovirale Medikamente für schädlich bis tödlich. Auch sie empfiehlt Vitamine zur Heilung der Immunschwächekrankheit: Knoblauch, Rote Bete, Olivenöl, bevorzugt kalt gepresstes, das alles ist recht preiswert in den Slums.

Der Medical Control Council hat unterdessen eine Untersuchung gegen Rath eingeleitet – in Südafrika müssen hoch dosierte Vitaminpillen als Arzneimittel zugelassen werden. Gegen die bornierte Gesundheitsministerin gibt es vorläufig kein Mittel. Sie kann den haarsträubendsten Blödsinn verzapfen und bleibt dennoch im Amt, weil sie von Präsident Thabo Mbeki höchstpersönlich beschirmt wird, und der hat seinerseits ziemlich absurde Ansichten zum Thema HIV/Aids.

Als Mbeki neulich Papst Benedikt XVI. traf, wurde die Pandemie mit keinem Wort erwähnt – es sind ja nur 25 Millionen Afrikaner infiziert. Innerhalb der nächsten 20 Jahre könnten nach einer Hochrechnung der Vereinten Nationen 89 Millionen dazukommen. Wenn Leute wie Rath oder Tshabalala-Msimang weiterhin ihr Unwesen treiben. Und wenn die Weltfamilie weiterhin gleichgültig zuschaut.