sachbuch Verloren im blauen Kosmos
Der Wasserarchäologe Franck Goddio führt uns in die Finsternis des Meeres, wo viele Schätze lagern
Franck Goddio, derzeit wohl der bekannteste Wasserarchäologe der Welt, fasst sein Metier, das er seit den achtziger Jahren mit großer Leidenschaft betreibt, in einem Satz zusammen: »Unterwasserarchäologie ist eine Schule der Geduld.« Ohne zähe Beharrlichkeit wäre es dem Franzosen Goddio und seinen Expeditionsteams gewiss nicht gelungen, am Mittelmeer und in den Gewässern vor den Philippinen ein Dutzend historisch bedeutender Schiffswracks aufzuspüren und zu erkunden. Die gesunkenen Galeonen, Handelssegler und Dschunken lagen oft weit vom Ort ihres Untergangs entfernt, weil Unterwasserströmungen sie gepackt und davongetragen hatten. Oder sie lagen irgendwo auf dem Meeresboden unter hohen Sanddünen begraben, wie für alle Ewigkeit.
Vor allem aber war es eine rasante technische Entwicklung im Bereich der Meeresforschung, die Goddios Erfolge möglich machte. So gelang es ihm, mit einem Unterwasserroboter in 460 Meter Tiefe die Schiffsglocke der Royal Captain zu orten. Dieses ehemalige napoleonische Flaggschiff war 1798 untergegangen, als der britische Admiral Nelson die Franzosen in einer Seeschlacht vor der ägyptischen Küste vernichtend schlug. Erst die technische Perfektionierung meerestauglicher Ausgrabungs- und Bergungsmethoden führte dazu, dass ganze Schiffsladungen chinesischen Porzellans und sogar zentnerschwere Pharaonen-Statuen wieder ans Tageslicht gehievt werden können. Die versunkenen Schätze, die Goddio vom Meeresgrund holte, sind heute in vielen Museen der Welt zu sehen.
- Datum 19.05.2005 - 14:00 Uhr
- Serie sachbuch
- Quelle (c) DIE ZEIT 19.05.2005 Nr.21
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



