Angela Merkel ist noch nicht einmal offiziell zur Kanzlerkandidatin gekürt worden, da überschlagen sich schon die Spekulationen über die Besetzung ihres geplanten Schattenkabinetts. Die Prognosen der letzten Tage wurden so viel diskutiert, dass sie vorauseilend zu Fakten wurden, noch bevor sie amtlich sind. So scheint es an den bevorstehenden Neuwahlen im Herbst kaum noch einen Zweifel zu geben, ebenso wenig wie an der Kanzlerkandidatur von Angela Merkel. Der logische nächste Diskussionspunkt ist dementsprechend die Frage, wen die zukünftige Kanzlerkandidatin in die Regierung holen will – falls sie im Herbst die Wahl gewinnen sollte.

Neuesten Informationen zufolge steht die Besetzung des Schattenkabinetts unter der CDU-Chefin bereits im Großen und Ganzen fest. Es gibt viele Anwärter auf Ministerposten, doch eine der interessantesten Entscheidungen wird sicherlich die zukünftige Rolle des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber sein. Immerhin war er Merkels größter Rivale in der Diskussion um die K-Frage, und seine bedeckte Reaktion auf die unumgängliche Frage nach der personellen Besetzung der Kandidatur ließ prompt Vermutungen aufkeimen, die Entscheidung sei noch nicht eindeutig gefallen.

Wenngleich Stoiber selbst am Dienstag gegenüber der Passauer Neuen Presse verlauten ließ, er werde erst nach der Wahl entscheiden, ob er überhaupt in einem Kabinett mitwirken werde, scheint klar zu sein, dass er in einer Regierung Merkel einen besonderen Posten einnehmen wird. Das Hamburger Magazin Stern berichtet von der Planung, ein neues "Superministeriums", das die Bereiche Wirtschaft und Finanzen vereint, mit Stoiber an der Spitze einzuführen. Ein weiterer, attraktiver Posten für den sich der Ministerpräsident angeblich interessiert, ist das Amt des Bundesaußenministers. Für diesen Posten könnte jedoch auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhard in Frage kommen. Glaubt man den Informanten des Stern , wird Gerhard Außenminister und sein Fraktionskollege Guido Westerwelle neuer Bundesinnenminister im Merkelschen Schattenkabinett. Doch auch der bayerische Innenminister Beckstein (CSU) gilt als möglicher Nachfolger Schilys. Der Bild -Zeitung zufolge wird Westerwelle auch eher für einen Posten im Justizministerium gehandelt.

Auch von Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch als potenziellem neuen Bundesinnenminister ist die Rede, doch ist fraglich, ob Merkel nach den einstigen Auseinandersetzungen interessiert daran ist, Koch in die Regierung zu holen. Die CDU-Chefin soll in ihrem bevorstehenden Wahlkampf von einem sieben- bis achtköpfigen "Kompetenzteam" unterstützt werden, in dem, wie der Stern berichtet, neben Koch, Müller und Stoiber auch Dieter Althaus aus Thüringen und Christian Wulff aus Niedersachsen mitwirken sollen. Des weiteren will Merkel zwei Vertraute an strategisch wichtiger Stelle im Kanzleramt positionieren: So soll der CDU-Generalsekretär Volker Kauder Kanzleramtsminister werden und der Außenpolitiker Friedbert Pflüger den neu geschaffenen Posten eines Staatsministers für Europapolitik besetzen.

Berichten zufolge ist unter einer Unions-Regierung ein großes Ressort geplant, das die Bereiche Gesundheit, Soziales, Pflege, Rente und Arbeit vereinen soll. Die Leitung würde laut Stern der saarländische Regierungschef Peter Müller übernehmen. Damit hätten Müller und Stoiber als Superminister die Verantwortung über die entscheidenden Kernprojekte der Zukunft: Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sowie die Sanierung des Staatshaushaltes.

Für das Verteidigungsministerium ist der derzeitige CSU-Landesgruppenchef Michael Glos im Gespräch, der frühere CDU-Generalsekretär Pfarrer Peter Hintze könnte Heidemarie Wieczorek-Zeul ablösen und die Führung des Entwicklungshilfeministeriums übernehmen.

Die Frauen des Schattenkabinetts sind in den eher typisch weiblichen Ressorts zu finden: Die Ärztin Ursula von der Leyen gilt als Kandidatin für das Gesundheitsministerium oder für den Bereich Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Annette Schavan, enge Vertraute Merkels, könnte die neue Bundesministerin für Bildung und Forschung werden. Derzeit ist sie Kultusministerin in Baden-Württemberg.