Die Zeit: Selbsthilfegruppen leisten wichtige Arbeit, haben aber wenig Geld. Kann man ihnen verübeln, dass sie sich von der Pharmaindustrie sponsern lassen?

Arne Schäffler: Transparency International ist nicht generell gegen Sponsoring. Wir verlangen nur Transparenz für alle Beteiligten – die Mitglieder der Selbsthilfegruppe, Rat suchende Patienten und politische Entscheidungsträger, bei denen die Stimmen der Selbsthilfegruppen erhebliches Gewicht haben.

Zeit: Kann man Sponsoring so gestalten, dass Gruppen ihre Unabhängigkeit bewahren?

Schäffler: Viele Initiativen bemühen sich ja um Abgrenzung und Eigenständigkeit. Um sie zu unterstützen, hat Transparency Regeln als Diskussionsgrundlage entwickelt und vorgestellt. So sollten sämtliche Einkünfte einer Selbsthilfegruppe im Internet dokumentiert werden. Das kostet wenig Arbeit und macht für jeden sichtbar, woher das Geld kommt. Außerdem müssen die Gruppen ihre Sponsoringverträge offen legen, damit mögliche Interessenkonflikte erkennbar werden.

Zeit: Die Dachverbände der Selbsthilfe und einige Initiativen haben bereits Selbstverpflichtungserklärungen beschlossen. Reichen die nicht?

Schäffler: Wir finden die Erklärungen zu vage. Da heißt es zum Beispiel, eine Selbsthilfeorganisation "wird vermeiden, in Abhängigkeit von einem bestimmten Unternehmen oder einer bestimmten Person zu geraten". Das ist keine konkrete Norm, sondern eine unverbindliche Zielvorstellung. Die Selbsthilfegruppen werden mit der Frage allein gelassen, wie sie das bewerkstelligen sollen. Die besonders problematischen nichtfinanziellen Leistungen von Pharmaunternehmen werden kaum thematisiert.

Zeit: Warum sind die nichtfinanziellen Leistungen besonders problematisch?