John Kerry gegen George W. Bush: Das erste Fernsehduell im Präsidentschaftswahlkampf 2004 endete mit einem Sieg für Kerry. Sagte CNN . Und eine wichtige Quelle für den Nachrichtensender waren Kommentare im Internet von Zuschauern in Form von Tagebucheinträgen, die so gennanten Weblogs.

Nach der Fernsehdebatte zitierten zwei CNN -Kommentatoren aus den Weblogs der verschiedenen Lager: Bush hätte niemanden umgebracht, deswegen lief das Duell wohl ganz gut für ihn, schrieben die Linken. Kerry hätte seine uninspirierte „Schüler-betet- sein-Schulbuch- auswendig-herunter“- Manier zum Ausdruck gebracht, hieß es von rechts. Weil auch befragte Zuschauer an diesem Abend eher den linken Stimmen Recht gaben, wurde Kerry von den Medien am nächsten Tag als Sieger des Rededuells ausgerufen.

Während Weblogs (oder auch Blogs ) in Amerika schon zum politischen Alltag gehören, werden sie in der deutschen Medienlandschaft als Fremdland betrachtet. Eine mit Weblogs bestückte Internetseite wie CNN zur Fernsehdebatte einzurichten, ist in Deutschland (noch) undenkbar; zu spärlich wird das Kommunikationsmittel bislang eingesetzt. Doch allmählich beginnt auch hier das Konzept einer redaktionell unredigierten, sofortigen Veröffentlichung im Internet durch Jedermann zu greifen. Im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen setzen die Parteien nun Weblogs als PR-Mittel ein.

Ganz neu ist diese Kommunikationsplattform im deutschen Wahlkampf nicht. Thomas Mirow hatte zur Landtagswahl in Hamburg 2004 sein eigenes Weblog erprobt. Es wurde außerhalb des Wahlkampfes nicht weiter gepflegt, weswegen es vom Portal politik-digital.de als reiner „Propaganda-Blog“ bezeichnet wird. Geholfen hat der Schreibaufwand dem ehemaligen Hamburger Spitzenkandidaten nicht: Mirow verlor die Wahl.

Ein Weblog im genre-üblichen Gewand findet man im nordrhein-westfälischen Wahlkampf bei der Landes-SPD. Angelehnt an amerikanische Wahlkampfblogs sind hier Meinungen und Parodien auf Schwarz-Gelb aufgelistet. Das Dauermotiv stellt Jürgen Rüttgers: im Turnanzug, als christlicher Werteverfechter und als Aufzugsfahrer in Abwärtsfahrt. Die Aufmachung der Seite ist professionell, die Einträge werden täglich aktualisiert. Zum ersten Fernsehduell der beiden Kandidaten wurden die Zitate online kommentiert .

Die Grünen nutzen ebenfalls die Plattform Weblog. Parteisprecher Börje Wichert schreibt fast täglich . Inhalt dieser Seite sind vorwiegend Verlautbarungen, dazu wurden ein paar meinungsstarke Argumente gegen Schwarz-Gelb untergebracht. Der Ton ist kämpferisch, die Überschriften mit Vorliebe reißerisch („Guido Westerwelle und seine Truppe wollen Arbeitnehmerrechte ausradieren“, „Mit Reiterstaffeln gegen Graffiti).

Die FDP konzentriert sich im Internet auf einen einzigen Gegner, nämlich die Grünen. Auf ihrer Kampagnen-Seite wird gegen den Konkurrenten Stimmung gemacht. Neben einem kritischen Presseecho werden die Grünen als Arbeitsplätzevernichter und Fortschrittverächter dargestellt. Mit einem Weblog hat die Seite nichts zu tun.