weblogs Hoffen auf den ImagewandelSeite 2/2

Ein Weblog hat auch das Wahlkampfteam der CDU bereitgestellt, allerdings auch nur dem Namen nach. Was auf der Landesseite als Themenblog angekündigt wird, stellt sich als schlichtes Forum heraus: Zu drei verschiedenen Themenkomplexen können Internetnutzer nach einer Registrierung ihre Meinung eintragen. Besonders unergiebig fällt die Resonanz auf das zentrale Wahlkampfthema aus: Zur Arbeitslosigkeit äußerten sich bisher erst 13 Nutzer, zur Schulpolitik dagegen 76.

Beitragsformen, die der eigentlichen Erscheinung von Weblogs etwas näher kommen, sind auf der Seite in tagebuchartiger Form zu finden. In „Peer’s geheimes Tagebuch“ kann man das Wahlkampfleben des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten hautnah miterleben - aus der Feder der CDU, versteht sich. Dass das Tagebuch einem einzigen Zweck dient - der Verhöhnung Steinbrücks - dürfte ebenso klar sein. Jürgen Rüttgers dagegen menschelt ausgiebig, wenn er einen „ganz normalen Tag“ seines Lebens in Tagebuchform beschreibt. Der Morgen beginnt früh mit dem Brötchen holen fürs familiäre Frühstück, der Abend endet spät auf einer Veranstaltung mit Bürgern, die sich gefreut haben, den Jürgen mal privat kennen zu lernen.

Zum zweiten Fernsehduell richtete die Pressestelle der Landes-CDU ein Instrument auf ihrer Homepage ein, das dem Blog-Konzept nahe kommt: die „Rapid Response“ . Parallel zum laufenden Duell griffen die CDU-Pressesprecher Aussagen Steinbrücks auf, um sie mit Fakten zu falsifizieren. Bei einer offensichtlichen Lüge konnte der rhetorisch begabte Ministerpräsident nicht ertappt werden. Dafür zeigte die „Rapid Response“ alternative Interpretationen von offiziellen Zahlen auf. So sprach Steinbrück von einem Personalabbau im öffentlichen Dienst in seiner Amtszeit, woraufhin die CDU-Zuarbeiter vorrechneten, dass durch die Eingliederung von ausgelagerten Bereichen, wie etwa medizinischen Einrichtungen, insgesamt mehr Landespersonal bezahlt werden müsse.

Die CDU-Initiative hat sofort eine Reaktion der SPD nach sich gezogen. Die roten Grabenkämpfer hielten in ihrem Blog mit Zitaten der beiden Kandidaten aus dem Duell dagegen, die - zu Gunsten des amtierenden Ministerpräsidenten - kommentiert oder platziert wurden. „Wähler können wir mit dem Blog nicht gewinnen“, sagt Dirk Borhart, einer der fünf SPD-Blogger. „Aber unser Image werden wir dadurch stark verbessern.“ Und letztlich ist das Ansehen meist wahlentscheidend.

 
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