Man wartet den ganzen Film auf das Erklingen des Vader Theme , jene mächtige Tonabfolge, die das finstere Imperium ankündigt. Höchstens Psycho und der Weiße Hai haben ähnlich hervorstechende Titelmelodien des Bösen aus den Kinos ins gesellschaftliche Bewusstsein getragen. Und man wird vorfreudigen Kinobesuchern nicht zu viel verraten, wenn man schreibt, dass in dem Abschluss der Saga der dunkle Herrscher Darth Vader zu diesen Klängen das Antlitz der Welt erblickt, welcher er einmal das Fürchten lehren wird. Die Geschichte der Saga war schon geschrieben. Der Inhalt der dritten Episode ist durch die nachfolgenden Episoden IV bis VI vorgegeben, die in den Siebzigern und Achtzigern das Phänomen Star Wars erschufen. George Lucas musste den Abschluss der Geschichte nur noch mit Bildern füllen. Und er wählte sehr düstere.

Waren die beiden Vorgänger noch knallbunte, weitgehend inhaltsleere Streifen, gelingt im dritten zumindest der Aufbau einer dichten düsteren Grundatmosphäre. Schon den zweiten Teil hatte Lucas als bisher dunkelste Episode gepriesen. Lediglich eine Szene wird dieser Beschreibung gerecht: Jene, in der Anakin Skywalker die Mörder seiner Mutter abschlachtet und somit seinem Schicksal näher rückt: der dunklen Seite der Macht. Doch die schnulzenhaft erzählte Liebesgeschichte zwischen Anakin und der Senatorin Padme vergraulte viele Fans. Diese waren schon nach Episode I enttäuscht, zu stark lag ihnen der Fokus auf mehr nervenden als witzigen Figuren, wie den tollpatschigen Jar-Jar und den neunmalklugen Jungen Anakin.

Jetzt, im dritten Teil, hat Lucas alles richtig gemacht. Die Seitenfiguren wurden an den Rand gestellt, der Fokus liegt auf den handlungstragenden Hauptcharakteren. Selbst beliebte Anhänger der späteren Heldengruppe um Luke Skywalker und Han Solo wie der jaulende Fellberg Chewbacca und Palaver-Roboter C3PO werden nur am Rande gezeigt. Lediglich der fiepsenden Navigationseinheit R2-D2 – mittlerweile zum Action-Helden mutiert - bleibt ein bisschen mehr Aktionsraum. Es dreht sich alles um Anakin Skywalker, den der aufsteigende Imperator Palpatine zur dunklen Seite der Macht verführt. Auf der guten Seite stehen die Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi und Yoda, die dem Niedergang der Republik nur noch zusehen können.

Die Trilogie der frühen Star Wars -Filme IV-VI schien schwer zu schlagen, was weniger am Inhalt lag als paradoxerweise an der technischen Umsetzung: Für die Episoden I und II konnte Lucas auf zahlreiche Spezial-Effekte zurückgreifen, die ihn im vergangenen Jahrhundert noch nicht zur Verfügung standen. Er übernahm sich damit und tauchte seine neu erschaffene Welt in Pixel. Nichts wirkte mehr echt. In den alten Filmen hatten nicht jene Computerästhetizismen geherrscht, sondern handgemachte Modellschiffe und greifbare Plastikpuppen. Verdichtet wurden die frühen Filme zudem durch den spielerischen Charme der Heldencharaktere, die die im Grunde banale Rahmenhandlung – Gut gegen Böse – mit Humor füllten. Man denke nur an Harrison Ford als selbstverliebten Weltraumpiraten Han Solo, der die aufbrausende Prinzessin Leia verführt. In der neuen Episode bleiben von der Liebesgeschichte nur banale Schmachtfetzen hängen. Anakin: "Du bist so wunderschön!" Padme: "Das liegt daran, dass ich dich so liebe!" Anakin: "Nein, das liegt daran, dass ich dich so liebe!"

Doch die Liebe der beiden verschwindet schnell in Anakins Wahnstreben nach Macht. Hier liegt eine undichte Stelle im ansonsten gut erzählten Film. Leider auch die entscheidende: Wie kommt es, dass der aufstrebende Jedi-Shootingstar Anakin zum allmächtigen Darth Vader wird? Der Grund für den Wandel ist plausibel: Anakin will mit der dunklen Seite der Macht seine Geliebte vor dem Tod bewahren. Doch die filmisch gezeigte Entwicklung der Begründung seiner plötzlich sehr schnellen Abkehr vom Guten wird nur schemenhaft gezeigt. Verrat, Drang nach Macht und jäher Zorn lassen den Jüngling erstaunlich schnell einknicken, war er doch zuvor noch sehr von Zweifeln geplagt.

Fragt man nicht nach den Gründen, so hat die Fangemeinde jetzt genau den Star Wars -Film bekommen, den sie so lange gefordert hat: den dunklen. Intrige und Machtverlangen bilden die Rahmenhandlung, Weltraumschlachten und Lichtschwertkämpfe die szenische Aufbereitung. Parallelen zu den finsteren Setting-Welten der Science-Fiction-Erfolge Matrix und Herr der Ringe sind bestechend. Held-gegen-Anti-Held-Duelle in dunklen, wuchtigen Lavalandschaften, riesige Berghöhlen, von flink ballernden Robotmaschinen durchdrungen, explodierende Sternenkreuzer; kaum eine Szene, die nicht in eine rotstichige Dunkelheit gehüllt wird. Selbst der blutrote Sonnenuntergang auf dem Stadtplaneten zeugt von der Vorahnung des bevorstehenden Untergangs des Guten.

Mit der aufwändigen Darstellung der Klonenkriege wird Lucas der Geschichte der Saga gerecht, werden sie doch in den alten Folgeepisoden bedeutungsvoll angedeutet. Die andere Faktenerfüllung, die er dem Fortgang seiner Geschichte schuldet, ist das Massensterben der Jedi durch die Macht des Bösen. Der vom Kanzler zum Imperator bemächtigte Palpatine befehligt den bislang guten Klonsoldaten, die Jedi-Anführer im Hinterhalt zu töten – eine Sequenz mit Analogien zur großen Verräterhinrichtung im Paten.

Bleibt die Kritik der Inhaltsleere, die man aber auch den Vorgängern zur Last legen müsste. Wer sie jedoch finden will, die versteckte politische Botschaft, der kann auch das. War Episode II noch ein Lobgesang auf die Verteidigung der Demokratie – viele wollten darin eine Befürwortung der Bush-Kriege sehen -, deuten sich in der dritten Episode kritische Töne an. Als der Kanzler den Notstand ausruft und den Senat entmachtet, sich damit faktisch zum Diktator macht, stöhnt die Heldin Padme: "So geht die Freiheit zu Grunde, unter jubelndem Applaus." Eine Anspielung auf die Präsidentenhörigkeit der amerikanischen Kongressabgeordneten? Lucas will jedenfalls gesagt haben, dass er mit der dritten Episode endlich politisch richtig gelegen hätte. Und so lässt er Anakin im bevorstehenden Abschiedskampf seinem einstigen Meister Obi-Wan entgegnen: "Wenn Ihr nicht auf meiner Seite steht, dann seid ihr mein Feind!" Hat man ähnliche Worte schon irgendwo gehört?