Zugtickets bei Lidl? Einmal ja, nun nie wieder, meint Bahnchef Hartmut Mehdorn. Er sollte sich das gut überlegen. Schließlich muss die Bahn ihr Dauerminus im Fernverkehr loswerden, soll sie endlich fit für die Börse werden. Und sind Lidl-Kunden nicht geborene Bahnfahrer? Sie sind Schlangestehen gewohnt, fühlen sich also bestimmt auch im Reisezentrum pudelwohl. Sie kennen die lahmen Kassiererinnen, werden also auch kein Problem damit haben, wenn der Fahrkartenautomat mal wieder länger braucht. Und sie haben begriffen, dass der Filialverantwortliche (besonderes Kennzeichen: Aufnäher am Hemd) ein kleiner König ist, dem man besser nicht widerspricht - beste Voraussetzungen für die erste Begegnung mit dem Zugchef einer Regionalbahn.

Was die Bahn von alldem hätte? Lidl-Kunden lieben Lidl-Standard - und das spart Mehdorn richtig Geld. Etwa im Speisewagen: Einfach ein paar Paletten in die Ecke stapeln, dann packen die Fahrgäste ihr Menü selbst aus, bevor es in die Mikrowelle kommt. Erfolgreich ist bestimmt auch die Strategie, Kunden nicht nur mit Billigplunder und No-Name-Produkten zu locken, sondern auch mit ein wenig Qualitätsware. Die Bahn müsste neben ihren verspäteten ICEs und Intercitys einfach nur ein paar Züge pünktlich fahren lassen.