Die sudanesische Region Darfur ist zu einem Synonym für Krieg, Gewalt und Flüchtlinge geworden. Seit mittlerweile zwei Jahren wird die dort ansässige Bevölkerung von regierungsnahen arabischen Milizen terrorisiert. Etliche Dörfer wurden komplett niedergebrannt, etwa zwei Millionen Menschen vertrieben und rund 300.000 getötet. Während der Konflikt zwischen dem ölreichen Süden und dem Norden Sudans im Januar offiziell beendet wurde, ist für Darfur noch keine Lösung in Sicht.

UN-Generalsekretär Kofi Annan reiste nun mit dem Ziel in das zerrüttete Land, den Friedensprozess anzukurbeln. Zwei Punkte waren entscheidend: Zum einen die Finanzierungsfrage der Friedensmission und zum anderen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den verfeindeten Gruppen. Annans Besuch war ein Erfolg, denn beide Ziele könnten realisiert werden. Auf einer Geberkonferenz im äthiopischen Addis Abeba hatte Annan die Weltgemeinschaft zur finanziellen Kooperation aufgerufen. Er warnte vor einer drohenden Katastrophe, die sich anbahne, wenn die Situation in der Region nicht entschärft würde.

Sollten Gewalt und Furcht die Menschen auch im kommenden Jahr davon abhalten, ihre Felder zu bestellen, "dann kommt eine humanitäre Hilfsaktion von gigantischen Ausmaßen auf uns zu", welche die internationale Gemeinschaft "an den Rand ihrer Möglichkeiten bringen" würde, mahnte er auf der Konferenz. Annan sprach von einem "Rennen gegen die Zeit": Allein in den nächsten Monaten würden 350 Millionen Dollar nur für Nahrungsmittel benötigt.

Die Afrikanische Union (AU) hatte im Vorfeld auf eine Spendenhöhe von 460 Millionen Dollar gehofft, bisher gingen jedoch Spendenzusagen von nur 300 Millionen Dollar ein. Die Mission der AU soll nun von derzeit 2300 Mann auf 8000 aufgestockt werden. Nach Ansicht von Diplomaten ist aber auch diese Truppe für das Gebiet, das die Größe Frankreichs hat, viel zu klein.

Annan reiste weiter in die westsudanesische Krisenregion, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Flüchtlinge aus dem Lager Kalma, in dem mehr als 100.000 Menschen leben, berichteten dem Generalsekretär von anhaltenden Angriffen arabischer Milizen. "Das ist völlig inakzeptabel. Wir müssen zusammen mit den sudanesischen Behörden für den Schutz der Flüchtlinge sorgen", sagte Annan, der sich auch mit Flüchtlingsfrauen unterhalten hatte, die vergewaltigt worden waren.

Hilfsorganisationen, die in dem überfüllten Lager arbeiten, lobten unterdessen den Einsatz der Afrikanischen Union, da sich die Sicherheitslage nun spürbar verbessert habe. Die Deutsche Welthungerhilfe begrüßte die Hilfszusagen der internationalen Gemeinschaft für Darfur. "Jeder Dollar wird dringend benötigt", sagte der Regionalkoordinator Johan van der Kamp. "Die Zahl der Notleidenden steigt und steigt!"

Die Deutsche Welthungerhilfe begrüßt insbesondere auch die zugesagte logistische Unterstützung für die Mission der Afrikanischen Union durch die Nato und die Europäische Union. "Die AU ist bislang ein zahnloser Tiger", sagte van der Kamp. "Es hat sich gezeigt, dass sie zwar die fortdauernden Übergriffe dokumentiert, aber nicht verhindern kann. So kommt die Bevölkerung von Darfur nicht aus dem Teufelskreis von Gewalt und Abhängigkeit."