Am liebsten mögen es Leser, wenn sie in ihrer Meinung bestätigt werden. Linke abonnieren die taz, Konservative bevorzugen die FAZ. Und Beamtenhasser, darauf spekulieren Frank Faust und Bernd W. Klöckner, wünschen sich Lesestoff, der ihren Ärger auf die Staatsdiener nährt. Hat nicht der Versorgungsbericht der Bundesregierung soeben wieder dokumentiert, dass uns deren Altersbezüge inzwischen 34 Milliarden jährlich kosten, wobei sich die Zahl der Pensionäre innerhalb der nächsten 35 Jahre auf 1,6 Millionen noch verdoppeln wird?

Stopp!, sagen da die Autoren, und das völlig zu Recht. Nur: Die Schuld an dem Finanzdesaster trägt nicht der Beamte, sondern sein Arbeitgeber, der Staat - und damit die Politik. Doch anstatt die Lage nüchtern zu analysieren, schüren Faust und Klöckner lieber den Neid des Publikums. Seitenlang schildern sie akribisch, wie sehr die Menschen etwa unter Arbeitslosigkeit leiden. Das Selbstbewusstsein schwinde, psychische Krankheiten grassierten, Ehen gingen zu Bruch. Oder das Zwei-Klassen-System der medizinischen Versorgung: Weil Privatpatienten mehr Geld bringen als Kassenpatienten, würden sie besser versorgt, und in armen Wohngegenden ließen sich deshalb keine Ärzte mehr nieder. Nur die Beamten lachten sich ins Fäustchen, weil sie nicht gesetzlich versichert sind. Dass sie heute bis zu 42 Stunden arbeiten müssen, kein Urlaubsgeld mehr erhalten und auch auf Weihnachtsgeld weitgehend verzichten, fällt da angeblich nicht ins Gewicht.

Wo immer der Sozialstaat zu teuer wird, welches Schwimmbad immer wegen knapper Kassen schließt, die Autoren beschreiben drastisch die öffentliche Armut. Und drucken gleich noch seitenlange Gehaltstabellen ab. Ist ein Polizeikommissar, der zwischen 1438 und 1802 Euro netto hat, tatsächlich überbezahlt? Ihr Buch bedient gängige Vorurteile: Wie unsere Staatsdiener kassieren, während Deutschland pleite geht haben sie es reißerisch untertitelt. Ergo: Wenn die Beamten, die Privilegierten der Nation, nicht wären, dann ginge es dem Land gleich wieder gut. Und viele mögen ihnen dankbar sein, dass sie einen Buhmann bieten.

Frank Faust, Bernd W. Klöckner

Beamte - die Privilegierten der Nation

Wiley Verlag, Weinheim 2005 -

288 Seiten, 19,90 e