Die Jogging-Welle war ein seichtes Schwappen. Kein Vergleich zu dem, was bevorsteht. Es werden Millionen sein, die täglich mit verbissener Miene durch die Stadtparks walken, joggen, sprinten. Wie lange musst du noch?, rufen sie sich atemlos zu. 1500 Schritte, dann reicht es für die Lindenstraße.

Was ist geschehen? Gillian Swan von der Brunel-Universität in London hat einen Spezialschuh entwickelt, der sofahockende, dauerglotzende Zeitgenossen auf Trab bringen soll. Ein Drucksensor in der Sohle zählt die Schritte und übermittelt das aktuelle Pensum an einen Decoder. Nur wenn dort der Schrittakku gefüllt ist, springt der Fernseher an, für eine Minute je hundert Schritte.

Wehe dem, der zu kurz getreten ist und sich mit der Morgenrunde nur den halben Film oder das Champions-League-Spiel ohne Verlängerung verdient hat.

Gnadenlos dreht der Decoder den Saft ab, mitten in Clooneys Kuss, in Rooneys Schuss.

Dann heißt es flugs aufs Laufband steigen und in Echtzeit neue TV-Minuten generieren. Eines aber hat Erfinderin Swan nicht bedacht. Pubertierende Couch-Potatoes sind meist Computercracks: Decoder gehackt, Code geknackt, Füße hochgelegt. Faulheit macht erfinderisch.