Wenn es ums Bausparen geht, ist es nicht schwierig, auf vollkommen gegensätzliche Meinungen zu stoßen. Zu hohe Nebenkosten, zu niedrige Sparzinsen, und in Zeiten niedriger Hypothekenzinsen ohnehin uninteressant, sagen die Kritiker. Die Befürworter hingegen loben die langfristige Zinssicherheit und den festen Darlehensanspruch.

Ein großer Teil der deutschen Verbraucher scheint zu der zweiten Gruppe zu gehören. Allein im vergangenen Jahr wurden hierzulande 4,3 Millionen neue Bausparverträge abgeschlossen. "Das liegt über der Zahl der Neuzulassungen bei Autos und lässt die Zahl der neuen Mietverträge weit hinter sich", zieht Hartwig Hamm, Verbandsdirektor der Landesbausparkassen (LBS), einen kühnen Vergleich.

Dabei ist das Bausparen keine deutsche Erfindung und schon gar nicht – wie oft vermutet – eine schwäbische Idee. Die erste Bausparkasse wurde im Jahr 1775 in Birmingham gegründet, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgten Institute in Australien, Neuseeland, Brasilien, Südafrika und den USA. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts griff in Deutschland der Bielefelder Pastor Friedrich von Bodelschwingh die englische Idee auf. Der Theologe und Sozialreformer rief im Jahr 1885 die "Bausparkasse für Jedermann" ins Leben.

Das Grundprinzip entspricht einem Generationenvertrag im Kleinformat: Die heutigen Sparer stellen mit ihren Guthaben den heutigen Kreditnehmern das Kapital für den Eigenheimerwerb zur Verfügung. Gleichzeitig garantiert die Bausparkasse den heutigen Sparern bei Erreichen einer bestimmten Kombination aus Spardauer und Guthabenhöhe einen Anspruch auf einen Bausparkredit. Dieser Kredit wird dann wiederum von den Sparleistungen der nächsten Bausparergeneration finanziert.

Jeder Vertrag versichert gegen Zinsschwankungen

Die gemeinschaftliche Verwaltung von Sparguthaben und Krediten sorgt dafür, dass im Vergleich zum individuellen Ansparen der Immobilienerwerb schneller möglich wird. Ein vereinfachtes Beispiel: Wer jedes Jahr ein Zehntel der geplanten Kaufsumme anspart, kann erst in zehn Jahren eine Immobilie kaufen. Wenn hingegen zehn Bausparer dieselbe Summe sparen und sich aus ihren Sparguthaben gegenseitig Kredit geben, kann der erste Bausparer schon nach einem Jahr über die Kaufsumme verfügen, und jedes Jahr kann ein weiterer Sparer seinen Baukredit abrufen. Damit können die zehn Bausparer im Schnitt ihre Immobilie nach fünf Jahren kaufen.

Noch immer funktioniert das Bausparen nach dieser Grundregel, auch wenn die Idee längst kommerzialisiert ist und große Bausparkassen in ganz Deutschland mit einer Vielzahl von Tarifmodellen um die Milliardengelder der Anleger konkurrieren.

Der klassische Standardvertrag ist bei den meisten Bausparkassen wie folgt angelegt: Zunächst einmal wird ein Bausparvertrag über eine bestimmte Gesamtsumme abgeschlossen. Dann zahlt der Sparer regelmäßige Raten ein, bis sich nach rund sieben Jahren die Hälfte der Vertragssumme als Guthaben angesammelt hat. Je mehr Geld sich auf dem Bausparkonto befindet und je länger das Guthaben bereits liegt, umso höher wird die so genannte Bewertungszahl, die monatlich oder vierteljährlich von der Bausparkasse ermittelt und dem jeweiligen Vertrag zugeordnet wird. Hat die Zahl eine bestimmte Grenze überschritten, die ebenfalls von der Bausparkasse bekanntgegeben wird, ist der Vertrag zuteilungsreif.