Ein Königreich für eine Tulpe

Ursprünglich als Luxusgut aus Zentralasien importiert, dienten Tulpen zu Beginn des 17. Jahrhunderts vor allem der Verschönerung holländischer Vorgärten. Liebhaber züchteten neue Arten, und langsam entwickelte sich die ansehnliche Pflanze zur Modeblume.

Als um 1630 die Nachfrage – und verbunden damit der Preis – zu steigen begann, etablierte sich eine Schicht von Tulpenhändlern. Sie nannten sich die "Floristen". Ihre anfänglich eher zögerlichen Investitionen warfen in kurzer Zeit hohe Profite und zogen weitere Investitionen nach sich. Immer mehr Menschen versuchten, mit den Tulpenzwiebeln ein Vermögen zu machen.

Wer konnte, verschuldete sich oder belieh sein Haus. Handwerker verkauften ihre Webstühle und ihr Werkzeug, um Geld für Blumenzwiebeln zu haben. Die Preise für Tulpen verdoppelten oder verdreifachten sich manchmal innerhalb einer Woche. Für die berühmteste aller Tulpen mit Namen "Semper Augustus" wurde im Januar 1637 schließlich der Höchstpreis von 10000 Gulden gezahlt. Die Summe entsprach ungefähr dem 30fachen Jahreseinkommen eines durchschnittlichen Handwerkers.

Im Februar, nur wenige Wochen später, kam es zum Crash. Was ihn auslöste, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Wahrscheinlich war es der Vertrauensverlust einiger Händler in die unendlich steigenden Preise. Die Nachfrage blieb aus, der Handel kam zum Erliegen. Zahlungen aus Termingeschäften konnten nicht mehr geleistet werden, und der gesamte Kreditmarkt brach zusammen. Die wirtschaftlichen Folgen für die Floristen waren verheerend. Nur die Tulpen blühten weiter: in den Vorgärten jener Händler, die rechtzeitig Kasse gemacht und sich vom Markt verabschiedet hatten. (mah)

Die Mississippi Bubble