Autofahrer merken es bei fast jedem Tankstopp. Von ein paar Schwankungen abgesehen, werden Benzin und Diesel immer teurer – auch dann, wenn der Staat nicht an der Steuerschraube dreht. Von den Verbrauchern kaum wahrgenommen, gilt das jedoch nicht nur für Öl und verwandte Produkte. Auch die Preise vieler anderer Rohstoffe und Edelmetalle sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: Ob Kohle, Stahl oder Gold – alles wird teurer. Das aber bedeutet: Wer jetzt seine Ersparnisse in Rohstoffe investiert, hat Chancen auf große Gewinne. Denn handfeste ökonomische Faktoren sprechen dafür, dass die Preise weiter nach oben klettern.

Der Grund dafür ist simpel: Die weltweite Nachfrage nach Öl, Kohle und Stahl übersteigt das Angebot. Und das wiederum liegt vor allem am Rohstoffhunger der neuen Wirtschaftsmacht China. Allein im vergangenen Jahr stieg der Ölverbrauch im Reich der Mitte um rund 16 Prozent. Zudem absorbieren die Chinesen etwa 40 Prozent der weltweiten Kohleförderung, ein Viertel der Stahl- und Nickelproduktion sowie fast 20 Prozent der gesamten Produktion an Aluminium. "Getrieben von hohem Wirtschaftswachstum, wird das bevölkerungsreichste Land der Erde auch künftig für steigende Nachfrage sorgen", sagt der Rohstoffexperte Frank Burkhardt von der Société Générale. In anderen aufstrebenden asiatischen Ländern wie Indien oder Thailand dürfte sich der Verbrauch ebenfalls deutlich erhöhen.

Während die Nachfrage somit kontinuierlich zunimmt, haben es die Rohstoffproduzenten in den vergangenen Jahren versäumt, in den Aufbau größerer Förder- und Produktionskapazitäten zu investieren. Daher können sie das Angebot jetzt kaum erhöhen – und daran wird sich so schnell nichts ändern. Zwischen der Erschließung eines Ölfeldesund der Förderung größerer Mengen können durchaus zehn Jahre vergehen.

Neben den aller Voraussicht nach weiter steigenden Preisen gibt es aber noch einen zusätzlichen Grund dafür, als Privatanleger in Rohstoffpapiere zu investieren: Ihr Wert entwickelt sich meist unabhängig von dem anderer Anlageformen, oft sogar entgegengesetzt. Steigt der Ölpreis weiter, lassen sich deshalb die damit häufig einhergehenden Verluste am Aktienmarkt kompensieren. Fallende Kurse bei Rohstoffen oder Industriemetallen stimulieren dagegen das Wirtschaftswachstum und sorgen so für anziehende Unternehmensgewinne. Der Kauf von Wertpapieren, deren Kurse direkt an die Preisentwicklung von Rohstoffen gekoppelt sind, reduziert also deutlich das Risiko eines rein aus Aktien und Anleihen bestehenden Depots.

Welche Papiere aber sind in diesem Zusammenhang am interessantesten?

Aktien von Minengesellschaften oder Erdöl fördernden und verarbeitenden Unternehmen sicherlich nicht. Die Aktienkurse von Konzernen wie Royal Dutch oder BP konnten in den vergangenen Monaten bei weitem nicht so stark zulegen wie der Preis des von ihnen raffinierten "Schmierstoffs der Weltwirtschaft". Und wer 2003 auf südafrikanische Goldminenaktien setzte, konnte trotz der Hausse des Edelmetalls viel Geld verlieren. Die Landeswährung Rand wertete gegenüber dem Dollar nämlich stark auf, wodurch sich die Konkurrenzfähigkeit der südafrikanischen Anbieter auf dem Weltmarkt erheblich verschlechterte.

Andererseits sind auch direkte Engagements an den Rohstoffmärkten für Privatanleger nicht zu empfehlen. Zum einen muss dort meist sehr viel Geld auf einmal investiert werden, zum anderen ist viel Fachkenntnis nötig. Martina Dohnke, Derivateexpertin bei der ABN Amro Bank, rät Privatanlegern deshalb zu börsengehandelten Investment-Zertifikaten auf Rohstoffe. "Statt auf einzelne Rohstoffe sollten Investoren, die mit der Materie bisher nur wenig vertraut sind, unbedingt auf einen Korb unterschiedlicher Basiswerte oder auf Rohstoffindizes setzen", so Dohnke. Nur so ließen sich die in diesen Bereich investierten Anlagemittel breit genug streuen.

Ein Beispiel wären Index-Zertifikate auf den GSCI (Goldman Sachs Commodity Index), der die Preisentwicklung von 24 Rohstoffen aus den fünf Bereichen Energie, Industrie- und Edelmetalle sowie Viehwirtschaft und Agrargüter widerspiegelt. Drei Viertel der Gewichtung machen dabei Öl und Gas aus.