Nach zwei Jahrzehnten können die Zoologen wieder eine neue Affenart in ihre Bestimmungsbücher aufnehmen. 1984 war in Gabun ein Wesen aufgetaucht, das seither Gabun-Meerkatze heißt. Nun haben, fast zeitgleich, zwei Forschergruppen unabhängig voneinander im Süden Tansanias die Spezies Lophocebus kipunji entdeckt (Science, Vol. 308, S. 1161). Die Hochland-Mangaben leben in den Bergen, rund 2500 Meter über dem Meer.

Kaum aber haben wir von den Tieren, deren Haarpracht an Rockmusiker der siebziger Jahre erinnert, Notiz genommen, könnten sie schon wieder von der Bildfläche verschwinden. Denn die 10 bis 16 Kilogramm schweren Hochland-Mangaben, deren Schwänze ein heller, fast weißer Pelz schmückt, leben nur in zwei kleinen Populationen in den Nationalparks Udzungwa Mountains und Kitulo. Jeweils höchstens 500 Exemplare dieser Baumbewohner vermuten die Forscher in den beiden Wäldern. Wegen des Holzeinschlags wird ihr Lebensraum stetig kleiner - und droht bald in Inseln zu zerfallen. Die Entdecker gehen daher davon aus, dass die Neulinge umgehend von der World Conservation Union als vom Aussterben bedroht eingestuft werden.

Trevor Jones, Biologe in Diensten der Udzungwa-Mountains-Parkverwaltung, hielt im vergangenen Jahr eigentlich nach grauen, pinkgesichtigen Sanje-Mangaben Ausschau, als er durch sein Fernglas plötzlich ein braunes, schwarzgesichtiges Tier erblickte, das ziemlich punkig aussah: Ich war völlig platt, schildert Jones den Moment der Entdeckung.

350 Kilometer entfernt fahndete währenddessen Tim Davenport von der Wildlife Conservation Society nach einem Tier namens Kipunji. Er hatte sich auf die Suche begeben, weil ihm mehrmals Jäger aus der Gegend von einem bizarren Geschöpf erzählt hatten. Da die Männer gerne Geschichten von Fabelwesen zum Besten gaben, glaubte Davenport nicht wirklich daran, auf der Spur einer neuen Tierart zu sein. Als er im Regenwald auf einen 90 Zentimeter großen Primaten stieß, wusste er, dass ihm die Einheimischen kein Jägerlatein aufgetischt hatten.

Im Oktober hörten die beiden Forschergruppen vom Erfolg der jeweils anderen.

Sie einigten sich auf den Namen Lophocebus kipunji für die Neuentdeckung und publizierten gemeinsam. Nun ist die Primatologenzunft in Aufruhr. Eine großartige Nachricht für Afrika, frohlockte Scott McGraw von der Ohio State University. Sein Kollege John Fleagle von der Stony Brook University in New York sinnierte in Science über die extrem seltene Gelegenheit, einen großen und lauten Affen zu finden, den niemand zuvor wissenschaftlich beschrieben hat.

Noch fehlt eine DNA-Probe, um sagen zu können, wie nah verwandt die Hochlandaffen mit den übrigen Mangaben sind. Die Forscher sind aber überzeugt, auf eine eigene Spezies gestoßen zu sein. Denn die Neuen sehen nicht nur verwegener aus. Auch ihre Sprache klingt deutlich rockiger. Während die meisten Mangaben diskret mit Keuchlauten auf sich aufmerksam machen, charakterisieren die Biologen die Äußerungen der wilden Vettern als eine Art Schreigebell.