Nach dem Nein der Franzosen sehen sich die niederländischen Gegner der EU-Verfassung für das bevorstehende Referendum in ihrem Land gestärkt. "Obwohl schon der Tod der Verfassung ausgerufen wurde, werden wir weiter mobilisieren", erklärte die Sozialistische Partei. "Eine Mehrheit der Niederländer will eine andere Zukunft für Europa als in dem Regelwerk angelegt."

Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende hatte seine Landsleute aufgerufen, sich eine eigene Meinung über den Vertrag zu bilden. "Wir müssen eine eigene Entscheidung treffen", sagte er. "Jedes Land ist selbst verantwortlich." Das Nein der Franzosen mache ein Ja der Niederländer noch wichtiger, da die Verfassung der Weg in die Zukunft sei. "Dies ist nur ein weiterer Grund, um am Mittwoch mit Ja zu stimmen." Der Ratifizierungsprozess gehe auf jeden Fall weiter.

Einer letzten Umfrage zufolge gaben sechzig Prozent der Befragten an, bei dem Referendum gegen die geplante Verfassung stimmen zu wollen. In der vorangegangenen Umfrage hatte der Anteil der Verfassungsgegner bei 56 Prozent gelegen. 96 Prozent der Befragten sagten, ihre Entscheidung sei nicht von dem Nein der Franzosen beeinflusst worden.

Das Referendum ist zwar nicht bindend; die politischen Parteien wollen sich dem Ergebnis jedoch beugen, sollte die Beteiligung bei über dreißig Prozent liegen. Es wird mit einer Beteiligung von rund fünfzig Prozent gerechnet.

Bei einem Nein der Niederländer zur EU-Verfassung will außerdem die britische Regierung laut Zeitungsberichten ihr für kommendes Jahr geplantes Referendum über das Vertragswerk absagen. Nach der Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich hatte London betont, der Ausgang der niederländischen Abstimmung müsse abgewartet werden, bevor Konsequenzen gezogen werden könnten. Umfragen sehen bisher einen sicheren Sieg des Nein-Lagers bei einem Referendum in Großbritannien voraus.