Als zweiter israelischer Staatspräsident nach Eser Weizman hat Mosche Katzav am Dienstag eine Rede im Deutschen Bundestag gehalten. Anlass war die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland vor 40 Jahren. Die Rede in Auszügen:"... Das Trauma der Schoah wird das jüdische Volk bis in alle Ewigkeit begleiten. Für die Schoah kann es weder Vergeben noch Verzeihen geben ... Ich, der Präsident des Staates Israel, stehe hier heute im Namen des jüdischen Volkes und beweine die Ermordung meines Volkes ... Wir, die Generation der Nachkriegszeit, haben die Aufgabe, gemeinsam die Lehren aus der Schoah zu ziehen. ...Wir werden heute Zeugen einer Welle des wiederauflebenden Antisemitismus, wie wir sie seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht gekannt haben, einer Welle, begleitet von aggressiver Hetzpropaganda. ... Wir möchten den Regierungen Europas unsere Wertschätzung ausdrücken, unter anderem der Bundesregierung, die mit entschiedenen Schritten gegen die Welle des Antisemitismus vorgehen - diese Maßnahmen reichen jedoch nicht aus. Unerlässlich sind Gesetzgebung und -ausführung, Erziehung und Aufklärung der Öffentlichkeit. ...Der radikale, extremistische Islam bildet eine große Gefahr, die meisten Muslime Europas sind jedoch friedensliebende, moralische Bürger. ... Im Sinne des Humanismus warnen wir vor einer antimuslimischen Welle. ... Ich rufe die gemäßigten Muslime Europas und ihre Führer auf, gemeinsam auf eine freie, bessere Welt hinzuarbeiten und Toleranz und Verständigung zu verbreiten. ...Die wachsende Legitimation neonazistischer Kräfte und ihre zunehmende Verankerung in der deutschen Öffentlichkeit bereiten uns Sorgen. ... Seien wir auf der Hut - lassen wir uns nicht überraschen, wenn die Terrororganisationen die Neonazis für die Ausführung von Terroranschlägen ausnutzen. ... Die junge Generation muss davor bewahrt werden, von Hasspropaganda und Indoktrinierung verführt zu werden. Wie furchtbar wäre es, wenn diese Generation die Taten der Nazis als unterhaltenden Horrorfilm ansähe. ...Verwandeln wir das Trauma der Vergangenheit in eine Hoffnung für die Zukunft, unsere besondere Beziehung in eine Brücke für die Freundschaft unter den Völkern, einen Anker gegen den Totalitarismus und für menschliche Werte - als Botschaft für Menschlichkeit gegen Rassismus und Antisemitismus. ...Leider hängt das Schicksal des israelisch-palästinensischen Konfliktes nicht von politischen Prozessen ab, sondern davon, wer in der Auseinandersetzung zwischen den palästinensischen Kräften die Oberhand gewinnt. ... Wir werden auf unseren Straßen, in unseren Cafés, unseren Restaurants, Discotheken und an Autobushaltestellen kein Blutvergießen mehr dulden. ...Unsere Beziehungen mit den Palästinensern befinden sich auf dem tiefsten Punkt seit 1967, obwohl die politische Kluft zwischen der israelischen Haltung und der der Palästinensischen Behörde seit 1967 nie so klein war. Versöhnung und Frieden mit den Palästinensern ist in Reichweite. ... Wir erleben eine historische, goldene Gelegenheit, die wir nicht versäumen dürfen. ... Angesichts der Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind, sind wir gezwungen, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, die manchmal in der Weltöffentlichkeit auf Ungeduld und Unverständnis stoßen. ...Es ist eine große Bedrohung für Israel und die Stabilität in der Welt, wenn totalitäre Staaten, die die Terrororganisationen der Welt unterstützen, in den Besitz von Massenvernichtungswaffen kommen. ... Iran braucht keine Atomwaffen - Iran besitzt keine Feinde, die seine Existenz bedrohen. ... Iran hat sich jedoch zum entschiedensten Feind Israels erklärt und unterstützt den Terrorismus im Nahen Osten. ..."