Gesundheit Kleine Dosis, fatale WirkungSeite 2/2

Doch was für hormonell aktive Substanzen signifikante Mengen sind, da gehen die Meinungen auseinander. Während Toxikologen und Hormonexperten betonen, dass diese Umweltöstrogene in winzigen Mengen schädlich seien, behauptet der deutsche Verband der chemischen Industrie, dass es keine Hinweise auf Niedrigstdosis-Effekte gebe.

Zwei neue Studien kommen zu einem anderen Schluss. Wissenschaftler der Yale University verabreichten Ratten einmalig Bisphenol A - in einer Menge, die unter der von der US-Umweltbehörde festgelegten Höchstmenge für Langzeitbelastungen liegt. Die Minidosis führte zu Veränderungen in einer Hirnregion, die für Lernprozesse und das Gedächtnis eine wichtige Rolle spielt. Nun veröffentlichte vom Saal eine Studie, bei der die Forscher schwangeren Mäusen während fünf Tagen Bisphenol A verfütterten - ebenfalls in Mengen unter dem Grenzwert. Die männlichen Nachkommen zeigten daraufhin Missbildungen der Prostata und eine Verengung des Harnleiters.

Niedrigstdosis-Studien sind laut Lichtensteiger notwendig, um das Risiko hormonaktiver Substanzen einzuschätzen: Bei der klassischen Prüfung werden viel höhere Mengen getestet. In sehr niedrigen Dosen können die Substanzen aber ganz andere Effekte hervorrufen - und die werden mit den herkömmlichen Tests gar nicht erfasst. Die aber bilden die Grundlage für Grenzwerte.

Auch andere Chemikalien zeigen erst in niedrigster Dosis unerwartete Wirkung.

So hat ein Pestizid in kleinsten Mengen Chromosomenschäden verursacht, die man bei höheren Konzentrationen nie gesehen hat, sagt Andreas Gies vom Umweltbundesamt. Unter Toxikologen herrsche kollektive Ratlosigkeit: Eigentlich müssen wir mit der Toxikologie wieder von vorn anfangen.

 
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