Saad Hariri, der Sohn des ermordeten früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri, hat seine "Zukunftsbewegung" zum Sieger der ersten Parlamentswahl in Libanon nach dem syrischen Truppenabzug erklärt. "Heute hat Beirut für die nationale Einheit gestimmt", rief Saad Hariri am Sonntagabend seinen Anhängern zu, lange bevor die ersten Ergebnisse des ersten Teilwahlgangs veröffentlicht werden sollten. Am Sonntag waren zunächst nur die rund 420 000 wahlberechtigten Einwohner Beiruts an die Urnen gerufen worden. Im Süden, Osten und Norden Libanons wird nacheinander an den drei kommenden Sonntagen gewählt.In Autokorsos geschmückt mit den blau-weißen Fahnen der "Zukunftsbewegung" fuhren Hariris Anhänger am Sonntagabend durch Beirut. "Beirut ist Hariri treu ergeben", skandierten sie lautstark.Die Wahlbeteiligung in der Hauptstadt lag nach Angaben libanesischer Politiker deutlich unter den 33,8 Prozent bei der letzten Parlamentswahl im Jahr 2000. Beobachter führten dies vor allem darauf zurück, dass Anhänger von General Michel Aoun und einige andere prominente Politiker zum Boykott des Urnengangs in Beirut aufgerufen hatten, um damit gegen die aus ihrer Sicht ungerechte Aufteilung der Wahlbezirke zu protestieren.Zum anderen galt ohnehin als sicher, dass die Liste von Saad Hariri, einen Erdrutschsieg erringen würde. Von den insgesamt 19 Sitzen für Beirut waren 9 bereits vor der Wahl an Hariris Liste gegangen, weil sich keine Gegenkandidaten fanden. Dem Wahlbündnis von Hariri hatten sich auch Oppositionsführer Walid Dschumblatt und die radikalislamische Hisbollah angeschlossen.