Großer Tag für Angela Merkel: Die 50-Jährige ist die erste Kanzlerkandidatin in der Geschichte der Bundesrepublik. CSU-Chef Edmund Stoiber hat Merkel nach Angaben aus Unionskreisen unter großem Beifall der Spitzengremien der Schwesterparteien vorgeschlagen. Merkel ist somit auch offizielle Herausforderin von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bei der für Mitte September geplanten Neuwahl des Bundestags.Vor drei Jahren hatte sich in einem internen Machtkampf noch Stoiber durchgesetzt und die Union 2002 als Kanzlerkandidat in die Wahl geführt, bei der CDU und CSU knapp scheiterten. Beide Parteien wollen nun bis Mitte Juli ein gemeinsames Wahlprogramm erarbeiten. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos hatte zuvor in der ARD gesagt, neben Merkel werde Stoiber eine "führende Rolle" einnehmen. Es sei jedoch Stoibers persönliche Entscheidung, ob er seine Verantwortung von München aus wahrnehme oder einer Berufung ins Kabinett nach Berlin folge. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust warnte die Union vor einem Betrug der Wähler. Das Wahlprogramm müsse so formuliert werden, "dass wir den Menschen reinen Wein einschenken. Es wird eine unglaublich harte Zeit", sagte von Beust der Zeitung Die Welt von Montag. "Dies wird deutlich werden: Erstens keine Versprechungen und Geschenke, zweitens, dass mit großen Opfern zu rechnen ist, und drittens programmatische Präzisierungen zum Beispiel in der Steuerpolitik." Die Probleme des Landes seien gigantisch, deshalb müssten auch unpopuläre Dinge gesagt werden. Im Moment komme es auf Wachstum und Arbeitsplätze an, sagte von Beust. "Soziale Dinge können wir uns wieder leisten, wenn es uns besser geht", sagte Beust. Ähnlich äußerte sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). "Wir brauchen einen klaren Kurs", sagte er dem Mannheimer Morgen (Montag). "Die Eckpfeiler unseres Programms müssen deutlich und konturiert sein". Wenn die Bevölkerung wisse, "dass die Lage ernst ist, dann erfordert es nicht so viel Mut, reinen Wein einzuschenken, wie in Zeiten, in denen alle sagen: Es wird gut." Vor seinem Wahlsieg in Niedersachsen habe er schwierige Reformen wie die Abschaffung der Orientierungsstufe und der Bezirksregierungen angekündigt. "Das hat uns Stärke und Rückendeckung gegeben, womit wir entschlossen handeln konnten."