Dem alternden Deutschland und anderen Industrieländern droht eine Rentenkrise, das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Was weniger bekannt ist: Den Entwicklungsländern steht Ähnliches bevor. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Weltbank.

Zwar liege das Durchschnittsalter in Nordamerika, Europa und Japan derzeit weit höher als im Süden der Welt, dafür steige es in den Entwicklungsländer deutlich schneller, heißt es in dem Bericht Old Age Income Support in the Twenty-First Century: An International Perspective on Pensions and Reform.

Während heute weltweit rund 60 Prozent der über 65-Jährigen in Entwicklungsländern leben, werde dieser Anteil in den nächsten 45 Jahren auf 80 Prozent steigen. Was dort nach Einschätzung der Weltbank große Probleme aufwerfe: Die Industrieländer wurden reich, bevor sie alterten, die Entwicklungsländer werden dagegen alt, bevor sie reich werden.

Erste Anzeichen künftiger Schwierigkeiten ließen sich Ende der neunziger Jahre in Brasilien beobachten. Damals stieg das Haushaltsdefizit dort auf sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts, was das Land in eine tiefe Finanzkrise stürzte. Zwei Drittel des Defizits seien durch rentenbedingte Kosten verursacht worden, so der Bericht.

Zwar gibt es nach Einschätzung der Weltbank kein universell anwendbares Patentrezept für das Rentenproblem. Industrie- wie Entwicklungsländern empfiehlt sie jedoch grundsätzlich Mischformen aus beitrags- und privatfinanzierten Rentensystemen, kombiniert mit einer Grundsicherung.