Meist waren es Ökonomen, die im vergangenen Jahr Reformvorschläge für eine Neuordnung des Gesundheitswesens vorgestellt haben. Mitunter haben sie selbst darauf hingewiesen, dass sie nicht auf alle medizinischen, ethischen und auch organisatorischen Fragen der kommenden Jahre Antworten liefern können. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hat deshalb Mediziner, Ökonomen, Philosophen, Juristen, Verwaltungsrechtler und Biologen zusammengeführt, um über die medizinische Versorgung der Zukunft zu diskutieren.

Dreieinhalb Jahre haben die Wissenschaftler regelmäßig getagt, und sie verband dabei vor allem die Einsicht, dass allein mit kleineren Reparaturen das bestehende System nicht "ökonomisch und politisch stabil" gehalten werden kann. "Ohne eine tiefgreifende Strukturierung wird die Dichte von Ad-hoc-Interventionen in Zukunft noch zunehmen", schreiben sie nun in ihrem gemeinsamen Bericht, einem Buch für Leser, die vor der Sprache der Experten nicht zurückschrecken.

Die Wissenschaftler sehen sich ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Beratern von Regierung und Opposition, von Herzog oder Rürup. Ihr Ansatz ist breiter – unter anderem widmet sich die Studie ausführlich der Frage, wie es gelingen kann, das individuelle Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu stärken und dennoch medizinische Leistungen stärker zu standardisieren.

Gleichwohl empfiehlt die Arbeitsgruppe in ihrem Reformmodell, das aus sieben Einzelvorschlägen besteht, unter anderem die Einführung von Kopfpauschalen (die hier auch nicht in "Gesundheitsprämie" umbenannt werden müssen). Sie fordert einen intensiveren Wettbewerb unter Ärzten und Krankenkassen, mehr kapitalgedeckte Vorsorge für künftige Generationen und die Abschaffung der Monopolstellung der Kassenärztlichen Vereinigungen. Einem Leser, der die gesundheitspolitische Debatte aufmerksam verfolgt, dürfte vieles bekannt vorkommen. Aber vielleicht lässt mancher sich von diesen Vorschlägen eher überzeugen, wenn sie zur Abwechslung von Psychologen oder Medizinethikern vorgetragen werden.