Korrelationen, lehrt die Statistik, haben nichts mit Kausalität zu tun. Das heißt: Wenn zwei Messgrößen sich irgendwie parallel entwickeln, dann heißt das noch lange nicht, dass die eine die Ursache für die andere ist. Der Zusammenhang kann rein zufällig sein, oder es kann eine verborgene dritte Größe dahinterstecken. Um das Beispiel mit den Klapperstörchen und den Geburten nicht noch einmal zu strapazieren: Wenn viel Speiseeis verkauft wird, ertrinken mehr Kinder – nicht aufgrund des Eiskonsums, sondern weil in heißen Sommern mehr Eis gegessen wird und gleichzeitig die Kinder mehr schwimmen gehen.

Die wirtschaftliche »Rocklängentheorie« stammt aus den frühen siebziger Jahren, als die Minirock-Welle gerade abflaute und parallel die Wirtschaft in eine Krise geriet. Neben anderen verfolgte der Verhaltensforscher Desmond Morris die Entwicklung der Rocklänge zurück bis in die zwanziger Jahre, und tatsächlich folgte die Höhe des Saums ziemlich genau dem Dow Jones: Goldene Zwanziger – kurze Charleston-Röcke. Weltwirtschaftskrise – Röcke länger. Und so weiter bis zum Post-Hippie-Ölkrisen-Maxi.

Die Erklärung, dass Frauen in wirtschaftlichen Boomzeiten unabhängiger seien und selbstbewusster ihren Körper präsentierten, klingt mäßig plausibel. Aber letztlich ist die ganze Geschichte eine Anekdote, die in den vergangenen 30 Jahren an Überzeugungskraft verloren hat. Abgesehen davon, dass es für den Rocksaum eine natürliche obere Grenze gibt, für die Börse aber nicht: Die Mode ist unübersichtlicher geworden, und bei der letzten Mini-Welle, die vor einigen Jahren begann, ist zumindest in Deutschland der Aufschwung ausgeblieben. Christoph Drösser

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